27.07.09

Keseliste


Ich habe nicht wirklich viel gelesen in letzter Zeit und vor allem eines habe ich nicht gelesen: Was wirklich gutes.

Die Heuschreckenfarm von Jeremy Dronfield warb auf dem Klappentext damit, ein psychologisch perfekt aufgebauter und unglaublich spannender Thriller zu sein. War er nicht. Also weder psychologisch (noch sonstwie) perfekt aufgebaut, noch ein spannender Thriller.

Das Grab von Isabella Trummer ist der dritte Teil einer Krimi-Reihe, die in der Steiermark, gar nicht weit von Graz spielt. Doch leider lässt es die Autorin an jeglichem Lokalkolorit fehlen, man hat gelegentlich sogar den Eindruck, dass sie alles tut, um ihn auszumerzen. Sehr bedauerlich. Zudem war die Handlung sehr konstruiert und die Charaktere sehr steif. Also leider nicht weiter zu empfehlen, jedenfalls dann nicht, wenn man einen schön ausgeschmückten Steiermark Krimi erwartet.

Etwas abgetörnt von den beiden Krimis machte ich mich also auf die Suche nach verlässlicherer Kost und stieß auf Daniel Kehlmanns Ruhm, in das man ja nach Die Vermessung der Welt große Hoffnungen setzte, denn: Kehlmann kann wirklich was! Der schreibt einfach phänomenal gut. Ruhm erfüllt aber meiner Meinung nach die großen Erwartungen nicht, irgendwann las ich mal in einer Kritik, dass es zwar solides Handwerk, aber nicht der große Wurf sei, und muss ihr zustimmen. Was aber eigentlich ganz verständlich ist nach so einem ganz großen Erfolg, da liegt die Messlatte einfach unerreichbar hoch.

In der Buchhandlung mal wieder zu einem Nick Hornby gegriffen, der für mich sonst immer Garant einiger vergnüglicher Stunden ist. Aber leider war auch Slam, in dem es um eine Teenagerschwangerschaft und die dazugehörenden Wirrnisse geht, nicht wirklich überzeugend.

In Eine Sekunde nur von Jonathan Burnham Schwartz geht es um Verlust und Schuld, das war ganz nachvollziehbar aufgebaut.

Wirklich enttäuscht -- ja, irgendwie habe ich echt oft daneben gegriffen in letzter Zeit -- hat mich Arnaldur Indridasons Frostnacht. Die Leiche eines aus dem asiatischen Raum stammenden Jungen wird entdeckt und sofort vermutet man rassistische Motive. Über fast vierhundert Seiten lang suchen Erlendur und seine Kollegen den Mörder nun im ausländerfeindlichen Milieu, und laufen Seite um Seite zwischen dem einen und dem anderen und dann vielleicht noch einem Tatverdächtigen hin und her, völlig ohne Erfolg (und ohne dass Indridason irgendwas prägnantes zum Thema zu sagen hätte). Nur um dann auf den letzten Seiten durch Zufall dahinter zu kommen, dass das Motiv eh ein ganz anderes war und der Täter andernorts zu finden ist. Außerdem ist der Roman gespickt mit lästigen Wiederholungen, die einen fast vermuten lassen, dass niemand es der Mühe wert fand, das Buch ordentlich Korrektur zu lesen. Ganz schwach.

Fast mein ganzes Leben habe ich gedacht, ich sei ein zutiefst willensschwacher Mensch, der es an jeglicher Selbstdisziplin mangeln lasse. Bis(s) zum Morgengrauen von Stephenie Meyer hat mir das Gegenteil bewiesen, denn allein meiner Willensstärke und Selbstdisziplin ist es zu verdanken, dass ich das Buch überhaupt zu Ende gelesen habe.

Ich meine...

...

...

...

...

LEUTE!!!

Mal ganz abgesehen davon, dass es extrem schlecht geschrieben ist (und die Übersetzung das Ganze auch nicht besser macht), der Handlungsaufbau quasi nicht vorhanden, die Charaktere oberflächlich und dumm sind, und man ausführlich nur über Edwards Augen (in seinen Augen saß der Schalk, seine Augen leuchteten, das Gold in seinen Augen, seine Augen verdunkelten sich, der intensive Blick seiner Augen) und sein Lachen (aus seiner Kehle drang ein Lachen, das Lachen, das aus seiner Kehle drang, erreichte seine Augen nicht, endlich hörte ich wieder den wunderbaren Klang seines Lachens) informiert wird... Also mal ganz abgesehen von diesen offensichtlichen Dingen...

...

...

...

... frage ich mich, ob irgendjemandem außer mir schon aufgefallen ist, dass die beiden Protagonisten, über die die halbe Welt derzeit in Ekstase gerät, im Grunde jedes reaktionäre Rollenklischee erfüllen:

Edward ganz der Gentleman, stark, unglaublich schön, zum Töten bereit, um seine Liebste zu retten, behütend und beschützend, aber auch väterlich -- und vor allem extrem arrogant weise.

Und Bella, über deren Fähigkeiten man nicht mehr erfährt, als dass sie gut kochen kann und die Wäsche macht, sich also als perfekte Hausfrau qualifiziert? Oder hat sie sonst irgendwelche anderen Talente, oder sogar vielleicht...

...

...

...

Zukunftspläne?

(Außer sich von einem Vampir beißen zu lassen und den Rest der Ewigkeit in... Belanglosigkeit zu verbringen?)

Das ist nun wahrlich mal was ganz besonderes, weshalb so ein toller Typ auf sie abfahren sollte, wahre Liebe und so.

Was allerdings zu dem passt, was ich über Meyer im Vorfeld erfuhr, nämlich dass sie einen sehr konservativen, religiösen Hintergrund hat.

Andererseits muss man ihr eines wirklich lassen. Das Genre passt, der Roman ist nämlich wirklich gruselig.

Und jetzt hoffe ich mal wieder auf eine Eingebung und endlich mal wieder auf ein wirklich, wirklich gutes Buch!

Vorschläge werden gerne genommen, alleine schaffe ich es offensichtlich nicht!

In diesem Sinne usw.

So long,
Corinna

Kommentare:

  1. Tja, wo fange ich an *grübel*.

    Zunächst mal bin ich schockiert über mich selbst. Dass ich "Frostnacht" gelesen habe, hatte ich bereits verdrängt, das fiel mir erst bei deinen Hinweisen zum dämlichen Inhalt wieder auf. Kann man vielleicht entschuldigen mit der Tatsache, dass ich das Buch nur ausgeliehen hatte und es nicht wert ist, weiter diskutiert zu werden. Viel zu platt, kann man abhaken.

    Und nun zu den BISS-Büchern.

    Die lese ich gerade aus pädagogischen Gründen, meine Teenietöchter lieben diese Bücher soooo sehr und finden es klasse, dass ich sie auch lese, aktuell Band 3.

    Nun ja. Langweilig. Ziemlich ohne Biss *g*. ICH habe in dem Alter, so ab 12, die Stephen King-Bücher verschlungen, die sind WIRKLICH gruselig, voller Blut und S.ex. Ich rede von den alten Büchern, nicht von seinem neuen Mist, der Mann wird auch älter *seufz*.

    Edward und Bella dagegen sind so oberkeusch und brav, das hält man ja kaum aus. Und deshalb lese ich die Bücher mit einem Lächeln - was habe ich doch für brave Töchter :-)

    So ein richtig gutes Buch ist mir schon lange nicht mehr untergekommen, leider. Ich lese relativ viele Sachbücher, und die andere Kost ist echt nur zum "Buchstabenfressen".

    Doch, für zwischendurch sehr zu empfehlen ist Eckart von Hirschhausens an den Aufgaben wachsende Leber - ich mußte mehrfach laut lachen.

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  2. *lol* -- also, für Mutze kann das gar nicht brav genug sein, ;-).

    Aber mal ehrlich: Das Buch hat es sogar in einen Bericht im Heute Journal geschafft, und da kommentierte selbst Claus Kleber die Keuschheit der Protagonisten, die eben dem moralischen Codex der Autorin, einer überzeugten, sehr wertkonservativen Mormonin entspräche...

    Im Grunde ist es ja spannend, und das war auch einer der Gründe, warum ich das Buch gelesen habe, dass dessen Beliebtheit unter jungen Erwachsenen ja ein Hinweis darauf sein mag, dass sie die Freizügigkeit der heutigen Zeit doch eher ablehnen.

    Was mich nur wundert ist, dass auch so viele Erwachsene auf den Roman abfahren -- meine Nachbarin ist ganz begeistert, im Eltern-Bücherforum überschlägt man sich vor Begeisterung (obwohl das natürlich kein Maßstab ist, sondern eher... Warnung).

    Aber auch _die_ Buchhändelerin meines Vertrauens, die, die immer treffsicher die guten Bücher aus den Regalen zieht, die meine Kinder auch gerne lesen, die Buchhändlerin also, deren Vorschlägen wir blind folgen und noch nie daneben gelegen haben, die, die sicher schon auf die 50 zu geht, selbst die war völlig aufgelöst vor Begeisterung.

    Und das verstehe ich einfach nicht! Denn das Buch ist einfach nur grottenschlecht geschrieben, die Faszination der Charaktere ergibt sich nicht aus ihrem Erzählstil, sondern die muss man sich dazu denken. Von Bellas "Undurchsichtigkeit" und ihrem guten Geruch, der sie für Edward so unwiderstehlich macht, erfahren wir nur, weil er es ihr (umständlich und immer wieder) erklärt. Ihr Charakter selber ist aber nicht so angelegt, dass er quasi von selber spricht. Wenn Du verstehst, was ich meine. Und die Handlung ist (mit Ausnahme der Szene im Wald, die halbwegs spannend war) strunz langweilig, es passiert nichts. Und eine Frage, die ich mir stelle: wie doof denkt Meyer, sind ihre Leser, dass sie es für schlüssig halten, wenn Bella ihrer Mutter die Telefonnummer auf dem AB hinterlässt? (Außerdem: hat die Mutter eigentlich kein Handy? Würde man doch irgendwie vermuten, oder, dass sie, wenn sie schon Internetzugang hat, sich auch eines besorgen würde, um in Kontakt mit der Mutter zu bleiben)?

    Und dann die vielen Kleinigkeiten, wo's unsauber gearbeitet ist. Z.B., dass der Vampir, der sie verfolgt, im Prolog Jäger genannt wird, dann aber immer Tracker. Und erst, als sie im Tanzraum sind, nennt sie ihn wieder Jäger. Das spricht für schlechtes Lektoriat.

    Hach ja, aber immerhin war der Roman der Art, dass ich mich tatsächlich in meine Kritik hineinsteigern kann, *lol*.

    Ich werde dann mal gespannt sein, wie er Mutze gefällt.

    So long,
    Corinna

    P.S.: Meine Bewunderung, dass Du bis zum dritten Band durchhälst, obwohl ich zugegebenerweise am Ende des ersten Teils in der Vorschau auf den nächsten herzhaft lachen musste: als sie sich in den Finger schnitt, ein Tumult entstand -- und sie in die hungrigen Augen von sechs Vampiren blickte. Gröööööhl.

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  3. tja, ich weiß auch nicht, warum Erwachsene so sehr auf die BISS-Bücher abfahren. Ich konnte mich ja nicht mal für Harry Potter begeistern, bzw, nur als Kinderbuch, nicht für Erwachsene.

    Ich halte eigentlich nur durch, weil ich erfahren möchte, ob Edward doch irgendwann die Contenance verliert *g*. Im Ernst, während ich lese, verläuft bei mir parallel ein anderer Handlungsstrang. Im Buch bleibt alles ganz brav und nett, im Kopf habe ich spannendere Szenen.

    Ich vermute, leicht romantisch veranlagte Teenies (hier würden meine Töchter heftig protestieren *g*) sind so hingerissen von Edwards Augen, dass sie die Ungereimtheiten gar nicht mehr bemerken (wollen). Wir als gestandene Frauen fallen halt nicht mehr auf jeden Dackelblick rein *ggg*.

    Ich gebe mir auch noch Band 4, falls es spannend wird, melde ich mich ;-)

    LG, Sylvia

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  4. ****Ich halte eigentlich nur durch, weil ich erfahren möchte, ob Edward doch irgendwann die Contenance verliert *g*.****

    *Lol*. Erzähl's mir dann, bitte.

    Übrigens gibt es da noch eine Szene, über die ich mich echt nicht mehr einkriege -- die mich wirklich, wirklich, wirklich entsetzt hat! Also, ich meine, im Hinblick darauf, dass junge Menschen dieses Buch lesen. Und diese Szene fand ich wirklich, wirklich, wirklich entsetzlicher, als jede S.exszene, die sie hätte schreiben können:

    Als Edward das erste Mal bei ihr übernachtet, bzw. das erste Mal, von dem sie weiß. Und sie wacht morgens auf -- und springt vor Begeisterung auf seinen Schoß, um sich von ihm umarmen zu lassen!

    So entsetzlich, dieses Frauen- und Männerbild, das da entworfen wird!

    So long,
    Corinna

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  5. Nachtrag: ich frage mich übrigens, was gewisse Mütter wohl von mir denken, weil ich das Buch (und ich schwöre, es war, bevor ich es selber gelesen habe!) ihren Töchtern geschenkt habe -- im festen Glauben, mich damit als ausgesprochen hip zu beweisen, weil ich weiß, was gerade in ist, ;-).

    Sehr peinlich ist mir das im Nachhinein, *ggg*.

    So long,
    Corinna

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  6. *loooooooool* !

    Das war doch auch hip und hat auf die Mutter der Töchter insofern abgestrahlt, als die Mutter nicht nur recht cool ist, weil sie die Bücher liest, sondern auch noch eine obercoole Freundin hat, die so etwas verschenkt.

    Sozusagen Coolness im Doppelpack, wo bekommt eine alte Frau das schon von kritischen Teenies ;-)

    Der Film... liegt hier als DVD rum, wurde mehrfach angesehen (ohne mich !), aber meine Töchter sind mit mir einer Meinung: Die Schauspieler sind nicht wirklich ansprechend, der Film-Edward ist nicht unser Beuteschema.

    ALLE Klassenkameradinnen schmelzen aber wohl dahin *seufz*.

    Mir wäre alleine schon diese dauernd kalte Brust zu unbequem, und einem Mann bin ich noch nie auf den Schoß gesprungen *kicher* !

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  7. :-)

    Ihr seid durchaus amüsant zu lesen. Ich kann nicht wirklich mitreden, vermutlich werde ich das auch in Zukunft nicht können. An wertkonservativem Mormonismus störe ich mich deutlich weniger (*ggg*) als am Genre. Fantasy ist einfach nicht mein Ding. Narnia war das einzige, das etwas näher an mich herankam. Die BISSE werden es wohl nicht schaffen, obwohl auch ich eher Jubel als Kritk vernommen habe und mich durchaus für Ms. Meyer freue. Ich teile zumindest die Verwunderung über den Erfolg der Bücher, wenn ich erlebe, wie gelebt wird.

    Und sonst so? Ich lese gerade den 2. Teil der Trilogie von Stieg Larson und habe Freude daran. Manches Detail ist an der Grenze des Verdaulichen für mich, aber ich finde die Geschichte spannend.

    "Frostnacht" fand ich keinen Burner, aber ganz so hart bin ich mit Indridason nicht ins Gericht gegangen. Ich mag Erlendur & Co., tue mich schwerer mit den Thrillern. Durch "Codex Regius" habe ich mich freudlos gequält. Nun gibt es bald "Kälteschlaf" - ob das Übersinnliche ein gutes Rezept ist?

    Da ich es real mag, habe ich "Das Ende ist mein Anfang" von Tiziano Terzani gelesen. Das hat mich positiv beschäftigt.

    Tellkamps "Der Turm" las sich schwer, ich habe auf der Hälfte pausiert. Mann und Vater hingegen waren begeistert. Und ich werde es aus Interesse am Thema definitiv zu Ende lesen.

    Im Urlaub war da noch Erich Loests "Nikolaikirche". Ich habe es nicht so mit den Rückblenden und unterbrochenen Erzählsträngen, aber die Thematik war mir nah genug, um dran zu bleiben.

    Da ich Erwin Strittmatters Bücher mag, habe ich auch noch das aktuelle Buch seiner Frau Eva gelesen, "Leib und Leben". Und um den Kreis zu schließen: Dieses Stück Lebensgeschichte bietet Anlass, über Rollenverteilungen nachzudenken - am realen Beispiel.

    Viele Grüße
    Geertje

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Liebe Frau_Mahlzahn!

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