25.09.09

Warum?


"Warum darf Torben nicht mit in die Wohnung kommen?", fragt der Mosche und die Frage ist berechtigt, aber gar nicht so leicht zu beantworten.

Torben wohnt irgendwo im Bezirk, einige Straßen weiter, und hängt seit einigen Wochen fast jeden Nachmittag bei uns auf dem Hof rum. Manchmal schon direkt im Anschluss an die Schule und oft bis zum Abend, wenn meine schon lange wieder nach Hause mussten. Zu Hause scheint ihn niemand zu vermissen.

Als ich ihn kennenlernte, stellte er sich als Freund von Konstantin vor, dem er da gerade hinterher rannte. Ein anderes Mal war er der Freund von Ylvie und Fabis Mutter lernte ihn als... richtig: Freund von Fabi kennen. Wenn sonst niemand da ist, ist er auch gerne mal Mosches Freund. Er hängt sich an jeden, den er finden kann, und wenn ich mit Minka auf den Hof komme, stürzt er sich auch auf mich, um ein wenig Ansprache zu bekommen.

Einsam kommt er mir vor, und traurig ist das.

Und trotzdem sträube ich mich, ihn noch näher heran bzw. in die Wohnung zu lassen. Mir reicht es, mich auf dem Hof mit ihm auseinandersetzen zu müssen, das brauch ich nicht noch in meinen eigenen vier Wänden.

Ich mag nicht Herberge und Ansprache für "anderer Leuts" Kinder sein, ich mag mich nicht benutzen lassen, ich mag nicht auffangen müssen, was andere Eltern versäumen, und es nicht unterstützen, wenn sie ihre Kinder vernachlässigen.

Dann denke ich mir aber, armer Kerl, kann er ja nichts dafür.

Und im nächsten Gedanken doch wieder die Abwehrhaltung: Er kommt mir vor wie einer, der dankbar den ganzen Arm ergreift, wenn man ihm den kleinen Finger reicht, und das würden meine Nerven nur begrenzt mitmachen.

So viel Erfahrungen habe ich an der Spielplatzfront schon gesammelt, um da etwas vorsichter zu sein. Also lieber gleich eine klare Linie fahren.

Aber so richtig erklären kann ich's auch nicht, schon gar nicht einem 7-jährigen.

Und deshalb sage ich: "Ich kenne seine Eltern nicht und würde die erst mal kennen lernen wollen."

Stimmt. Ich würde nämlich gerne mal wissen, was da los ist in der Familie. Denn vielleicht ist ja eh alles ganz anders als es scheint. Aber das würde ich eben erst mal gerne wissen wollen.

So long,
Corinna

Kommentare:

  1. Oje, diese armen Tröpfe, die sich dankbar an jeden hängen und leider kleben bleiben wollen.

    Wenn man dem keinen Riegel vorschiebt, dann hat man den ewig in der Bude. Und dann muss man auch noch an sein eigenes Kind denken. Will Mosche das überhaupt? Also bald gezwungenermaßen bester Freund sein? Weil der ständig bei euch abhängt? Direkt in der Wohnung?

    Wir hatten auch mal so einen, der hat das voll ausgenutzt. Der war auch in der Schule nicht gut gelitten und Benjamin wollte da einfach kein Sozialpuffer sein!

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  2. solch eine Freundin hatte mein Kindi auch mal eine ganze Weile. Sie wohnte nämlich nebenan. Um es auf den Punkt zu bringen - es ging irgendwann so weit, dass dieses Kind Haus- und Gartenverbot hatte, weil es einfach keine Grenzen und keinen Respekt kannte. Schade ist das, aber manchmal nicht anders zu lösen. Ist schon ein paar Järchen her, aber ich kann Dich gut verstehen, dass Du lieber vorsichtig bist. Natürlich kann man auch noch wieder jederzeit einen Rückzieher machen und sagen, dass dieses Kind aus bestimmten Gründen JETZT nicht mehr ins Haus darf. Das verstehen die schon auch. Aber die Eltern kennenlernen ist die beste Idee. Bin gespannt, was dabei herauskommt...

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  3. Es ist die Frage, ob es ein armes Kind ist, oder ob er schon die Charakterzüge eines Schmarozers sind. Es ist sicher interessant, über die Eltern Bescheid zu wissen.
    Lieben Gruß
    Lemmie

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Liebe Frau_Mahlzahn!

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