27.04.10

Keseliste


In den letzten Monaten habe ich kaum gelesen. Und wenn, dann höchstens zwei, drei Seiten, bevor ich eingeschlafen bin. Teilweise lag das wohl an der grottenschlechten Lektüre, die mir da untergekommen ist, oft aber auch daran, dass ich abends einfach viel zu müde bin.

Und jetzt kann ich mich kaum noch an das erinnern, was ich gelesen habe. Kuckuckskind von Ingrid Noll lag mal in der Auslage der Stadtbibliothek, und weil ich mal wissen wollte, was alle an ihr finden, habe ich es mitgenommen.

Und fand es...

...

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ausgesprochen grauenhaft.

Ungeschoren, den vorletzten Band von Arne Dahls Holm und Hjelm Serie habe ich gelesen, aber er ließ den üblichen Charme und Witz vermissen. Was sehr schade ist, denn diese Krimis mochte ich immer gerne.

In einem Bücherblog las ich über Zwei an einem Tag von Dave Nicholls, aber als ich es endlich in der Stadtbibliothek ergattern konnte, war ich eher enttäuscht und legte es schnell wieder zur Seite.

Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano gefiel mir da schon wesentlich besser, aber ganz so toll, wie es die Rezensionen besingen, fand ich es auch wieder nicht. Vielleicht, weil das nötige Mitgefühl für die Protagonisten nicht aufkommen wollte, auch wenn ich ihre Geschichten natürlich sehr tragisch fand. Dennoch. Mitgerissen hat mich dieser Roman nicht.

Auf meinem SUB (Stapel unter'm Bett) lag noch American Gods von Neil Gaiman. Den ich ja wirklich gerne mag. American Gods ist deutlich anspruchsvoller als die übrigen Bücher, die ich von ihm kenne, und baut auf einer wirklich guten Idee auf, nämlich der Frage welche Götter aus Legenden und Sagen die vielen verschiedenen Einwanderer mit nach Amerika brachten -- und was aus ihnen wurde: Weitgehend vergessen, ignoriert, verlacht und mächtig heruntergekommen kämpfen diese Götter und Sagengestalten, um ihr Überleben in Zeiten neuer Götter (der Kreditkarten und Geldautomaten) zu sichern.

Nur zieht sich dieser Roman ziemlich in die Länge und man weiß lange nicht, worum es eigentlich gehen wird. Ungefähr in der Mitte, als ich es erst mal zur Seite gelegt habe, wusste ich immer noch nicht, wohin die Reise wohl führen wird. Vielleicht nehme ich es noch mal zur Hand, wenn ich wieder mehr Muße habe, zu lesen.

Perle schrieb vor einigen Wochen über Das zweite Leben des Herrn Roos von Hakan Nesser, und irgendwie war mir dieser Kerl, also der Herr Roos, nicht der Herr Nesser, sofort unsympathisch.

Und blieb es auch, als ich den Roman las.

Der Roman selber hat mir gut gefallen, aber Ante Valdemar Roos: nee. Nie im Leben.

Ich meine, da gewinnt der ein paar Millionen im Lotto und beschließt, sich heimlich ein Doppelleben aufzubauen. Weil sein "richtiges" Leben nämlich so unsäglich langweilig ist und er -- meiner Ansicht nach berechtigt -- von seiner Umgebung eher als "Möbelstück" charakterisiert wird denn als wenigstens halbwegs interessanter Gesprächspartner.

Hält er also den Gewinn vor seiner Familie geheim, und versucht, sich heimlich ein zweites Leben aufzubauen, um ein bisschen mehr Pepp in sein Leben zu bringen.

Und kauft sich...

...

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...

eine einsame Kate im Wald, wo er fortan seine Tage kreuzworträtselnd verbringen will.

Ich meine: Hallo!

Der hätte an jedem Tag seines Lebens aufstehen und gehen und ein neues Leben anfangen können, er hätte sich offen und ehrlich von seiner Frau trennen können, ohne ein größeres Scherbenmeer zu hinterlassen, er hätte jederzeit die Chance gehabt, die Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen.

Statt dessen ewig jammern, wie langweilig das Leben sei, und dann:

Kate im Wald, um Kreuzworträtsel zu lösen.

Nee, ne.

Dennoch. Der Roman selber war spannend.

Deshalb habe ich gleich zugegriffen, als ich auf dem Bücherflohmarkt einen weiteren Krimi von Hakan Nesser gefunden habe: Der Tote vom Strand, bis jetzt recht spannend, zumindest sehr unterhaltsam.

Vor ein paar Tagen war ich mit Mutze in der Buchhandlung ihres Vertrauens, und während sie sich nach einem interessanten Buch umsah, hatte ich Zeit, ein wenig zu schmökern.

Mein Blick fiel auf Wie Kinder wieder wachsen von Martina Leibovici-Mühlberger über das heutige Erziehungsdilemma, und da sich Mutze wirklich lange in einer Buchhandlung aufhalten kann, konnte ich mir einen Eindruck zu verschaffen.

Das Buch erinnerte mich fast ein bisschen an Michael Winterhoffs Warum unsere Kinder Tyrannen werden, jedenfalls geht's um das gleiche, das Wort Symbiose fällt hier und da und genügend wie für ihre Argumentation gemachte perfekt in ihre Argumentation passende Fallbeispiele gibt es auch.

Und in dem ein oder anderen erkannte ich mich auch wieder.

Aber nur ein bisschen.

(Natürlich).

Als Mutze schließlich zu mir kam, schaute sie mir über die Schulter und fragte, was denn in dem Buch drin stünde.

"Dass das alles nicht so einfach ist," sagte ich, und "das wusstest Du doch eh schon," antwortete sie.

Stimmt, wusstma scho', brauchma nicht, das Buch.

So long,
Corinna

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Liebe Frau_Mahlzahn!

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