08.04.10

Tauschbörse


"Darf ich," fragte der Mo kürzlich ganz aufgeregt, "mit Yann zur Tauschbörse gehen?"

"Tauschbörse?", fragte ich etwas irritiert zurück, aber dann fiel es mir schon selber wieder ein: die Sticker, die der Mo seit ein paar Wochen sammelt!

Einmal in der Woche findet da bei einem großen Spar im Nachbarbezirk eine Tauschbörse statt und das wäre natürlich das Höchste für den Mo, wenn er da mal hindürfte.

"Schon," sagte ich, "aber ich kann Euch nicht bringen."

"Wir fahren eh mit dem Bus," erklärte Yann, "Fabi und ein Freund von mir kommen auch mit."

Dazu muss man jetzt wissen, dass der Mo der Jüngste in der ganzen Bande ist, und zwar mit Abstand.

Und bislang weder alleine Bus gefahren ist, noch die Gegend kennt, in der die Tauschbörse statt findet.

Und so zögerte ich.

"Bitte!", flehte mich der Mosche an und Yann sagte: "Wir passen gut auf."

"Hmmm," überlegte ich noch, dann fiel mir ein, dass der Bus genau vor der Tür des Supermarktes hält.

Aber trotzdem...

"Bitte!", flehte der Mo weiter -- die Sache mit dem Augenaufschlag kann er schon richtig gut.

"Hmm, na ja, also ich weiß nicht, aber... na ja, och, eigentlich..., ja, meinetwegen..."

"Ja?", fragte Yann noch einmal, "vertraust Du mir?"

Ja, Yann, dachte ich, eigentlich vertraue ich Dir schon, aber ob ich Dir mit meinem einzigen Sohn vertraue...

...

...

...

...

Sagen wir so.

Der Mo hat Glück gehabt, dass er mich gefragt hat und nicht den LV.

Denn der hätte es nicht erlaubt. Und ich war mir auch nicht sicher, ob das wirklich so eine gute Idee war.

Andererseits: was konnte da eigentlich schon groß passieren? Mir ist auch im schlimmsten Horrorszenario nichts eingefallen, was man nicht schnell hätte beheben können.

Dennoch war ich am Nachmittag doch sehr froh, als der Mosche wieder vor der Tür stand.

Wohin ihn Yann noch extra gebracht hat, weil wenn schon, denn schon.

Und war begeistert von seinem Abenteuer!

Es muss die Hölle losgewesen sein.

Mittlerweile haben die meisten ihre Bücher wohl schon voll und gehen nur noch zur Tauschbörse, um ihre doppelten Sticker rechts und links zu verschenken. Teilweise verschenkten Leute sogar noch geschlossene Päckchen, und davon viele.

Nur einen einzigen seiner doppelten Sticker sei er losgeworden, erzählt der Mo, und für den hätte er auch noch drei oder vier Sticker bekommen.

(Die einzigen, die wirklich getauscht hätten, seien die begleitenden Eltern gewesen. Da musste ich lachen, als er das erzählte, und war ganz froh, dass ich nicht dabei war.)

Das Buch ist jetzt jedenfalls voll.

Was ich fast ein bisschen schade finde, denn es hat den Kindern Spaß gemacht und mir auch.

Vor allem das Tauschen und Verschenken mochten sie gerne, und Mutze und Mo diskutierten sogar darüber, was besser sei. Der Mo fand Verschenken eigentlich besser, weil man dem anderen eine Freude damit mache.

Ich fand's nett, wie sie ihre Köpfe über den Büchern zusammensteckten, und in der Schule, fiel mir auf, sind sie über die Sticker in Kontakt gekommen.

Der Mo hat dabei sogar einen neuen Freund gefunden.

Deshalb: wirklich schade, dass es schon vorbei ist.

So long,
Corinna

P.S.: Und wieder zeigte sich, Handys sind unnütz. Denn der Mo hörte das Klingeln nicht, als ich nach zwei Stunden mal anrief, um zu fragen, wie es denn ginge. Und fünf Minuten später stand er eh schon wieder vor der Tür.

1 Kommentar:

  1. naja, bald ist WM. Da kann man dann Fußballerköppe sammeln!

    AntwortenLöschen

Liebe Frau_Mahlzahn!

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...