18.12.10

Der 18. Dezember


Als der LV und der Mo am Abend aus der Oper kamen, die dieses Mal ein Musical war, grinste der Mo frech und fragte:

"Rate, wie es in der Oper war?"

Na ja, wenn er schon so fragt...

"Zum Einschlafen," sagt er, und der LV ergänzt: "Ich glaube, wir haben einen Operngänger weniger in der Familie."

"Mama," schränkt der Mo ein, "ich gehe schon noch mal in die Oper. Aber nur in einen Mord und Totschlag."

...

...

...

Weil man ja schließlich schon gewisse Erwartungen an die Oper hat, Liebe, Leidenschaft, Mord, Totschlag und so.

Ganz klar, ;-).


****

Trollwald

Eine hoffentlich recht lässige Geschichte in 8 Kapiteln

Von Frau_Mahlzahn

6.

Während sich die Gestalten über ihr an ihrem Schicksal ergötzten, suchte Malin verzweifelt den Boden des Erdloches nach ihren Habseligkeiten ab. Den Rucksack fand sie schnell, aber als sie ihn abtastete, merkte sie, dass er beim Aufprall geplatzt war. Nach einigem Suchen fand sie ihr Messer und die Wasserflasche, die beim Sturz aus der Seitentasche gefallen war, und trank dankbar. Dann tastete sie die Wand ab, um zu sehen, ob es irgendwo ein Schlupfloch gab, durch das sie hätte fliehen können. Natürlich fand sie nichts. Immerhin war die Wand nicht ganz glatt, so dass sie später versuchen konnte, hinauf zu klettern. Sie würde aber noch warten müssen, bis sich die Waldwesen zurückgezogen hatten. Falls sie das taten.

Sie lehnte sich an die Wand und bemühte sich, nicht nach oben zu schauen, denn sie wollte möglichst souverän wirken und sich nicht einschüchtern lassen. Doch tatsächlich konnte sie die Panik, die in ihr aufzusteigen drohte, nur mit Mühe unterdrücken. Wenn sie jetzt hysterisch wurde, konnte sie gleich aufgeben.

Sie musste sich eingestehen, dass ihre Lage nicht besonders hoffnungsvoll war. Diese furchtbaren, bestialisch stinkenden Wesen mit den rotleuchtenden Augen machten ihr am wenigsten Angst. Sie schienen zwar sehr stark und wild zu sein, aber auch unruhig und unkonzentriert. Sie würde sie schon irgendwie austricksen können, wenn sie nur vorher eine Chance bekam, sie ein wenig genauer zu studieren. Über die mit den grünen Augen konnte sie noch nichts sagen, aber sie schienen die Anführer zu sein und wirkten verschlagen. Am meisten fürchtete sie aber die Irrlichter, die immer wieder aus dem Nichts auftauchten und so wenig greifbar waren, dass sie beim besten Willen keine Vorstellung hatte, wie sie sich vor ihnen schützen sollte.

Über ihr wurde es ruhig, und als sie vorsichtig nach oben schaute, sah sie, dass sich die Wesen zurück gezogen hatten. Nur dann und wann tanzte ein vereinzeltes Irrlicht über der Öffnung des Erdloches, ohne dabei besonders viel Licht zu spenden.

Sie konzentrierte sich völlig auf ihre Wahrnehmung und ihr lief ein Schauer über den Rücken, als ihr jetzt die völlige Abwesenheit jeglicher Geräusche auffiel. Kein Rauschen der Blätter, keine knackenden Äste, kein Rascheln des Laubes. Dieser Wald war wirklich furchteinflößend.

Als sie sich sicher war, dass sie allein war, begann sie die Wand genauer abzutasten. Das Loch war zwar tief, aber nur grob ausgeschlagen, so dass es möglich sein sollte, hinaufzuklettern. Die Dunkelheit machte es nicht leichter, doch Malin wusste, dass sie nicht mehr länger warten durfte. Sie musste so schnell wie möglich von hier verschwinden.

Mehr als einmal rutschte sie ab und musste wieder von vorne beginnen. Dabei trieb sie die Furcht an, dass die Waldwesen wieder zurück kommen könnten – und an das, was sie wohl mit ihr anstellen würden, wollte sie lieber nicht denken. Endlich erreichte sie den Rand.

Sie tastete den Boden ab und hoffte, schnell eine Wurzel oder irgendetwas anderes zu finden, an dem sie sich festhalten und über den Rand ziehen konnte. Länger konnte sie sich so jedenfalls nicht halten. Endlich fand ihre Hand einen Widerstand, an dem sie sich festklammern konnte. Doch dann spürte sie einen unsäglichen Schmerz, als ihr jemand mit voller Kraft auf die Hand trat. Sie schrie auf und verlor den Halt.

Diesmal schaute sie während ihres Sturzes nach oben und sah ein Gesicht – ein menschliches.

Was um alles in der Welt!

Sie schlug auf dem Boden auf und verlor für einen Moment das Bewusstsein. Als sie wieder zu sich kam, sah sie, dass dieser Mensch, der ihr vorher auf die Hand getreten war, ein dickes Seil hinunter ließ. Was denn nun, dachte Malin und rieb sich die schmerzende Hand. Sie musste ein paarmal schlucken, um die Tränen zu unterdrücken. Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren, sonst war alles aus.

Sie konnte es sich nicht erklären, warum dieser Kerl sie eben herunter geworfen hatte und ihr jetzt ein Seil zuwarf. Wenn sie danach griff, musste sie sich darauf einstellen, auch dieses Mal wieder unsanft auf dem harten Boden zu landen. Aber ihr blieb keine andere Wahl. Diesmal steckte sie ihr Messer zwischen die Zähne, um es schnell zur Hand zu haben, wenn sie oben ankam.

Als sie sich über den Rand wuchtete und endlich auf die Beine kam, stand sie einem Jungen gegenüber, der nur wenig jünger war als sie. Er trug zerlumpte Kleidung und hatte ein verdrecktes Gesicht und lange, verfilzte Haare. Bei seinem Anblick musste Malin unwillkürlich an ein Lied denken, dass ihre Mutter ihr früher gerne vorgesungen hatte, von einem Jungen, der auszog die Welt zu erkunden und nach vielen Jahren wieder heimkehrte. Niemand erkannte ihn, weil er inzwischen ein junger Mann geworden war, doch die Mutter schaute ihm in die Augen und wusste sofort: ihr Kind war wieder nach Hause gekommen.

Malin erkannte ihren Bruder Jarne.


In diesem Sinne Euch ein schönes viertes Adventswochenende!

So long,
Corinna

Kommentare:

  1. super tolle geschichte. echt

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  2. Danke für das Kompliment, ;-). Freut mich sehr!

    Jetzt würde ich nur gerne wissen, wer sich hinter diesem netten Kompliment versteckt, ;-).

    So long,
    Corinna

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  3. für den nächsten Theaterbesuch empfehle ich Othello.....

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Liebe Frau_Mahlzahn!

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