17.12.10

Nachgereicht: der 15. Dezember


Nur noch eine Stunde, und Mutze kommt von ihrer Ski-Freizeit zurück. Hier also druckfrisch, sozusagen, der 15. Dezember.

Nachgereicht.

****

Trollwald

Eine hoffentlich recht lässige Geschichte in acht Kapiteln

Von Frau_Mahlzahn

5.

Malin blieb keine Zeit, richtig wach zu werden. Die glühenden Augen waren überall – und sie kamen bedrohlich näher. Sie hielt ihr Messer erhoben vor sich, bereit, sich gegen das erste dieser Wesen zu wehren, das es wagte, sie anzugreifen. Gleichzeitig versuchte sie, so viel wie möglich von ihrer Umgebung wahrzunehmen, ohne ihre Angreifer aus den Augen zu lassen. Sie musste eine Lücke finden, die ihr wenigstens die Chance gab, zu flüchten.

Jetzt stand sie also den Entführern ihres Bruders gegenüber.

Zumindest glaubte sie, dass es Trolle waren, die sie da umringten, denn den Gedanke, dass noch andere unheimliche Wesen in diesem Wald lebten, konnte sie nicht ertragen. Andererseits war sie ja auch auf diese sonderbaren Irrlichter gestoßen, von denen sie vorher auch nichts gewusst hatte. Also doch gut möglich, dass die glühenden Augen zu noch schlimmeren Wesen gehörten.

„Nur kann mir das auch egal sein,“ dachte sie verzweifelt, „jetzt muss ich erst mal hier raus kommen, und dann kann ich immer noch grübeln.“

Rechts von ihr bemerkte sie ein Augenpaar, dass unruhiger schien als die anderen. Es war weniger auf sie fokussiert, die Augen huschten immer hin und her, als sei ihr Besitzer vor irgendetwas auf der Hut.

Keine Lücke, aber immerhin doch eine Schwäche, dachte Malin, und wartete einen Moment ab, in dem das Waldwesen abgelenkt war. Sie hob ihr Messer und stürzte mit einem lauten Schrei in seine Richtung.

Tatsächlich konnte sie den Überraschungsmoment ausnutzen. Sie fühlte, wie sich warmes Blut über ihre Hand ergoß, als ihr Messer in das weiche Fleisch des Wesens eindrang. Der Schmerzensschrei ging ihr durch Mark und Bein, doch sie konnte keine Rücksicht darauf nehmen. Rasch zog sie ihr Messer wieder aus dem Körper und rannte so schnell sie konnte weiter in den Wald hinein.

Hinter sich hörte sie schon das empörte Gebrüll der anderen Waldwesen – was auch immer sie sein mochten – und das Stampfen vieler Beine, die ihr hinterher rannten und rasch näher kamen. Malin stolperte ein paarmal, und wieder war es, als stellten ihr die Wurzeln der Bäume absichtlich ein Bein. Wenn sich ihre Augen nicht schnell an die Dunkelheit gewöhnten, hatte sie keine Chance!

Nach ein paar Metern merkte sie, dass sie endlich die Umrisse um sich herum wahrnehmen konnte, und schließlich sogar die Hindernisse um sich herum sehen und ihnen geschickter ausweichen konnte. Flüchtig nahm sie wahr, dass wieder einige dieser Irrlichter um sie herum schwirrten, und sie war ihnen dankbar für das Licht, das sie ihr spendeten.

Dennoch blieben ihr die Verfolger auch weiterhin dicht auf den Fersen. Sie konnte zwar ihren Atem (noch) nicht im Nacken spüren, aber dafür riechen! Die Wesen verbreiteten einen bestialischen Gestank.

"Komisch, auf was für Dinge man achtet, wenn man eigentlich ganz andere Sorgen haben müsste," dachte sie.

Woran sie aber nicht dachte waren die Irrlichter, die ihr mittlerweile immer heller schienen, und ein sehr merkwürdiges Licht verbreiteten. Nun konnte sie zwar ihre Umgebung gut sehen, gut genug jedenfalls, um über Wurzeln zu springen, die sich ihr in den Weg stellten und Büschen auszuweichen, die aus dem Nichts auftauchten. Aber das Licht war beinahe unheimlich, grünlich schimmernd und immer wieder durchsetzt von kleinen Blitzen, wenn zwei oder mehrere Irrlichter sich in ihrem wilden Tanz berührten.

Erst als sie immer wilder um sie herum schwirrten, begann sich ein Verdacht in Malin zu regen, und sich der störende Gedanke, den sie am Abend weit von sich geschoben hatte, wieder in ihr Bewusstsein drängte. Schon einmal hatten die Irrlichter sie verwirrt und sie in falscher Sicherheit gewiegt, nur um sie anschließend schutzlos diesen Waldbestien auszuliefern.

Es gab keinen Grund, ihnen dankbar zu sein.

Ihr wurde schwindelig, doch sie versuchte, sich so gut wie möglich auf den Weg vor ihr zu konzentrieren. Ein paar Schritte noch, dann tanzten die Lichter so schnell vor ihren Augen herum, dass sie strauchelte und fiel.

Und sie fiel tief.

Immer tiefer in ein dunkles Loch.

Als sie auf dem Boden aufschlug, blieb ihr für einen Moment die Luft weg. Als sie wieder atmen konnte, bewegte sie vorsichtig ihre schmerzenden Arme und Beine. Gott sei Dank war nichts gebrochen. Aber wo um alles in der Welt war sie hier gelandet?

Sie drehte sich um und schaute nach oben. Die Irrlichter tanzten immer noch, und jetzt sah sie auch wieder die rot glühenden Augen der Waldwesen, die sich über die Öffnung des Erdloches beugten. Zu ihnen gesellten sich nun auch zwei Paar grün leuchtender Augen, die hämisch auf sie herunter zu grinsen schienen.

Sie war direkt in eine Falle gelaufen.

Und nein, sie bildete es sich nicht nur ein, dass die grünäugigen Wesen über ihr höhnisch grinsten.

Sie lachten.

Laut.

Und unheimlich.


****

In diesem Sinne, Euch ein paar friedliche Vorweihnachtstage, ;-).

So long,
Corinna

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Liebe Frau_Mahlzahn!

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