03.12.10

Trollwald


Unsere Adventskalender hingen zwar schon -- prall gefüllt -- am 30. November, doch ein kleines winziges, insignifikantes, nahezu unbedeutendes Detail fehlte:

Das ganz Besondere für Mutzes Kalender.

Denn immerhin findet der Mo jeden Tag Lego-Steine in seinem Kalender, die sich am Ende zu einem Bausatz zusammenfügen werden, von dem er erst im Laufe der Zeit wird erraten können, was es eigentlich ist.

Und Minka darf sich an 16 Tagen über Süßigkeiten freuen, an 8 Tagen gibt es entweder Polly Pocket Püppchen oder Knete.

Mutze hatte ich einen Kalender voller Geschichten schenken wollen, habe aber keine 24 Geschichten zusammen gebracht.

Deshalb gibt es nun statt jeden Tag eine Geschichte eben nur eine Geschichte.

Und davon jeden dritten Tag ein Kapitel*.

Trollwald
von Frau_Mahlzahn**

1.

Als Malin aus dem Fenster schaute, sah sie nichts als Dunkelheit. Noch nicht einmal das Licht des Mondes konnte sich durch die dichte Wolkendecke kämpfen. Neben sich hörte sie den Atem ihres kleinen Bruders Jarne.

Ansonsten hörte sie: Nichts.

****

Plötzlich gellten Schreie durch die Nacht. Sie fuhr auf und sah schon durch das Fenster, dass das Nachbarhaus brannte. Vor dem Haus hatten sich die Bewohner des kleinen Dorfes versammelt, rannten zwischen Haus und Brunnen hin und her, um den Brand zu löschen. Doch mit ihren kleinen Kübeln konnten sie nichts gegen die Flammen ausrichten. Als der Dachstuhl in sich zusammen stürzte, gaben sie auf. In kleinen Gruppen standen sie beieinander und starrten ins Feuer. Aus den Augenwinkeln nahm Malin eine Bewegung wahr, und als sie genauer hinschaute, sah sie eine gebückte Gestalt, die ein schreiendes Kind in den Armen trug und mit ihm im Wald verschwand.

****

Entsetzt schrie sie auf, und schrie und schrie und schrie, bis sie auf einmal eine warme Hand auf ihrer Stirn fühlte. Verwirrt schlug sie die Augen auf und sah in das freundliche Gesicht ihrer Mutter.

„Du hast nur schlecht geträumt,“ sagte die Mutter und wiegte Malin in ihren Armen.

„Warum wollt Ihr mir nicht glauben, dass die Trolle Jarne geholt haben?“, schluchzte Malin, „ich habe es doch genau gesehen!“

„Pssst,“ sagte ihre Mutter noch einmal, „Du hast nur schlecht geträumt.“

Seit dem großen Brand, in dem ihr Bruder vor zehn Jahren ums Leben gekommen war, sprach Malin immer wieder von Trollen, die ins Dorf gekommen waren, um ein Menschenkind zu holen. Lange hatte ihre Mutter sie angefleht, nie wieder so etwas zu sagen. Denn so sehr sie auch unter dem Tod ihres jüngsten Kindes litt, lieber wusste sie ihn tot als gefangen bei den Trollen. Doch sie hatte aufgegeben, als Malin immer wieder darauf beharrt hatte, dass ein Troll Jarne in den Wald getragen habe und ihre Eltern beschimpft hatte, dass sie sich nicht auf die Suche nach dem Jungen machten.

Obwohl sie zum Zeitpunkt des Brandes erst fünf Jahre alt gewesen war, war sie selber in den Wald gegangen, immer auf der Suche nach Jarne oder wenigstens nach Spuren, die ihren Eltern beweisen konnten, dass sie Recht hatte. In ihren Rucksack hatte sie alles gepackt, von dem sie meinte, dass sie es brauchen würde, um alleine im Wald zurecht zu kommen: etwas Proviant, Streichhölzer, Kleidung, eine Decke.

Und das Arbeitsmesser ihres Vaters, denn Trolle waren gefährlich und man musste sich gut gegen sie wehren können. Doch ihre Eltern hatten sie schon am ersten Tag im Wald gefunden und wieder nach Hause gebracht. Ihre Mutter hatte bitterlich geweint und sie schwören lassen, nie wieder wegzugehen, denn sie habe schon ein Kind verloren und könne es nicht noch ein weiteres Mal verkraften.

Ihr Vater hatte dagegen gar nichts gesagt. Statt dessen hatte er ihr viele Aufgaben auf dem Hof übertragen, damit er sie immer in seiner Nähe wusste und im Auge hatte. Und genug zu tun gab es seit dem Brand, bei dem das Feuer vom Nachbarhaus auf ihre Ställe übergeschlagen und auch diese zerstört hatte.

Bei der Arbeit mit ihrem Vater lernte sie viel, was sonst nur den Burschen des Dorfes vorbehalten war, und auch ihr ganzes Auftreten war burschenhaft. Problemlos schwang sie Äxte und Hämmer, zimmerte Möbel, half beim Decken der Dächer, wenn wieder einmal ein Sturm durch das Dorf getobt hatte, und ging geschickt mit den Tieren um. Aber obwohl sie immer beschäftigt war, vergaß sie doch nie, was sie in der Nacht des Brandes gesehen hatte.

Wie denn auch, wenn sie die Erinnerung bis in ihre Träume verfolgte?

Jede.

Einzelne.

Nacht.


...

...

...

Das wirklich originelle an dem Kalender ist übrigens, dass ich immer noch erst im 2. Kapitel bin.

Aber, pöh, das brauche ich ja eh erst am 6. Dezember...

In diesem Sinne Euch einen schönen 3. Dezember!

So long,
Corinna

*An den anderen Tagen gibt es eine Süßigkeit.
**Nicht gut, und vor allem noch nicht mal Korrektur gelesen -- aber meine Geschichte. Kopieren bitte nur mit Referenz!

Kommentare:

  1. Maaaaaaaaaaaaaaaalin! Waaaaaaaaaaaaaaa'te, ich komm' mit!

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  2. =) Das scheint genau die Art von Geschichte zu werden, die ich selber mit 13 gerne gelesen hab (und auch immer noch lese)
    Gibts auch für uns die anderen Teile zu lesen?

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  3. @maufeline: Öh. Ja. _Wenn_ ich sie denn geschrieben bekomme. (Bin immer noch erst im zweiten Kapitel, *ggg*).

    Solche Geschichten sind auch Mutzes Ding, mehr als meines. Mal schauen, was ich da zustande bringe.

    SLC

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  4. Adventkalenders Lebenslauf
    So ein Kalender zum Advent,
    ist wichtig für das Leben.
    damit das Fest man nicht verpennt,
    muss es das Ding ja geben.


    Vierundzwanzig Fensterlöcher,
    zeigen dir die Zeit.
    Es gibt die Dinger noch und nöcher,
    manche schmal und manche breit.


    Innen sind viel schöne Sachen,
    Schokoherzen süß und fein.
    Täglich gilt es auf zu machen,
    so ein neues Fensterlein.


    Ist das letzte Fenster offen,
    müssen die Geschenke her.
    jeder sollte dann nur hoffen,
    hoffentlich sind es heut mehr.


    Ist der Bescherungstag vorbei,
    stirbt der Kalender in der Tonne.
    Er stirbt still ganz ohne Schrei,
    er sieht nie die Sommersonne.


    Und die Moral von dieser Mär,
    ist hier kurz jetzt berichtet.
    so ein Kalender hat es schwer,
    wenn Weihnachten er wird gerichtet.

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Liebe Frau_Mahlzahn!

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