01.01.11

Andererseits...


Andererseits bemerkte ich ja schon einmal, dass es ein Zeichen von Pflichtbewusstsein und Disziplin sei, wenn die Sachen dann fertig sind, wenn sie fertig sein sollen.

Et voilà, püntklich zum ersten Tag des Neuen Jahres:

Trollwald

Eine hoffentlich recht lässige Geschichte in mehr als 8 Kapiteln

Von Frau_Mahlzahn

9.

Als Malin den Wald erreichte und sich mit einem Satz in den Schutz der Bäume und Büsche retten wollte, prallte sie ab. Wie schon so viele Male vorher hatten sich die Büsche vor ihr wie eine Mauer verdichtet und ließen sie nicht vorbei. Panisch versuchte sie es an einer anderen Stelle, doch auch dort gab es kein Vorbeikommen. Hinter sich hörte sie das bestialische Gebrüll der Trolle, die jetzt nur noch wenige Schritte von ihr entfernt waren.

Als sie sich schon verloren glaubte, griff endlich eine Hand aus dem Unterholz nach ihr, zog sie ins Gebüsch und zerrte sie weiter mit sich. Verdammt, dachte Malin, das hätte Jarne ruhig auch früher machen können! Vor ihnen öffnete sich eine Schneise, und nur gelegentlich versuchten einige Zweige und Wurzeln sich ihr in den Weg zu stellen oder sich um ihre Füße zu schlingen. Inzwischen hatte sie sich aber an das Unterholz und dessen heimtückische Versuche, sie zu Fall zu bringen gewöhnt und wich ihnen geschickt aus.

Doch egal, wie schnell sie und Jarne liefen, die Trolle blieben ihnen dicht auf den Fersen und ihr Gebrüll war ohrenbetäubend.

Sie hatte schon längst die Orientierung verloren und langsam wurden auch ihre Beine müde. Sie konnte nur hoffen, dass Jarne einen Ausweg wusste. Doch je länger sie liefen, desto mehr zweifelte sie daran, dass er einen Plan hatte. Die Trolle hinter ihnen holten immer weiter auf, und ihr schien, als wären es noch mehr geworden, die im Wald zu ihnen gestoßen waren. Kein Wunder, dass sie nicht müde wurden, ihnen hinterher zu jagen.

Wohin, um Himmels Villen, führte Jarne sie? Wo war der Abgrund, über den sie gestern gesprungen waren und den die Trolle nicht hatten überwinden können? Langsam dämmerte ihr, dass auch er nicht mehr wusste, wo sie waren.

Panisch drehte sie sich um – und strauchelte.

Ein Busch fing ihren Sturz auf, doch sie taumelte und verlor an Geschwindigkeit. Vor ihr merkte Jarne, dass sie ihm nicht mehr folgte und drehte sich zu ihr um. Als er sah, dass sie nicht mehr Schritt hielt, wollte er sie noch am Arm packen und zu sich ziehen, doch die Trolle hatten sie schon erreicht. Verzweifelt streckte sie die Hand nach ihm aus, doch Jarne schaute sie nur mit einem kurzen, entschuldigenden Blick an und rannte weiter. Sie schrie ihm hinterher, als sie ihn im Wald verschwinden sah.

Dann packten sie die Trolle und Malin verlor das Bewusstsein.

****

Das erste, was sie wahrnahm als sie wieder zu sich kam, waren die Schmerzen. Ihr ganzer Körper tat weh und besonders ihr Kopf drohte bald zu platzen. Als sie die Augen öffnete, dachte sie, sie müsse gleich den Verstand verlieren, denn alles schien auf dem Kopf zu stehen. Dann merkte sie, dass sie kopfüber an einem Baum hing. Die Fesseln schnitten in ihre Beine und sie konnte ihre Arme nicht bewegen, da diese fest an ihren Körper gebunden waren. Ihre Finger waren wie abgestorben.

Sie versuchte, wenigstens den Kopf ein wenig zu heben, doch ihre Bemühungen bewirkten nur, dass die Trolle, die sich nur wenige Meter von ihr entfernt um ein Feuer versammelt hatten, auf sie aufmerksam wurden.

Wie durch einen Schleier sah Malin, dass sie sich langsam erhoben und zu ihr kamen. Ihre roten und grünen Augen glänzten bösartig im Schein des Feuers und schienen ineinander zu verschwimmen. Es mochten vielleicht acht oder neun sein, aber so genau konnte sie es nicht einschätzen, denn genauso gut hätte sie doppelt sehen können.

Der größte von ihnen packte sie an den Haaren und riss ihren Kopf nach oben. Sie hätte aufschreien wollen, doch ihre Zunge war geschwollen und sie konnte keinen Laut von sich geben. Sie wand sich, doch der Troll packte nur noch fester zu. Undeutlich sah sie, dass er zu einem Messer griff, und schloss die Augen.

Sie wünschte sich ein schnelles Ende.

Doch tatsächlich hatte der Troll noch lange nicht die Absicht, sie zu töten. Er schnitt das Seil durch, an dem sie hing, stieß sie aber in dem Moment, in dem sie fiel, an, so dass sie wenigstens nicht genau auf dem Kopf landete. Ein Akt der Gnade, dachte sie noch, und fragte sich im gleichen Moment, aus welchen Tiefen ihres Gehirns dieser letzte Funken Galgenhumor jetzt wohl gekommen sein mochte. Trotzdem verursachte der Sturz ihr noch mehr Schmerzen, wenn das überhaupt noch möglich war.

Der Troll beugte sich zu ihr hinunter und schaute ihr mit seinen glühenden Augen ins Gesicht. Dann schnitt er die Fesseln durch und bedeutete zwei der anderen Trolle, sie aufzuheben und zum Feuer zu schleppen. Auch sie gingen nicht zimperlich mit ihr um, aber alles war besser, als an diesem Baum zu hängen. Sie warfen sie vor das Feuer, ließen dann aber von ihr ab und beachteten sie nicht weiter. Es war nur allzu offensichtlich, dass von ihr keine Gefahr ausging.

Als sie merkte, dass niemand mehr auf sie achtete, versuchte sie langsam, ihre Arme und Beine zu bewegen. Es schien nichts gebrochen zu sein, doch ihr Kopf schmerzte höllisch.

Bald schon fiel Malin wieder in eine Art Dämmerzustand, in das immer wieder das Gebrüll der Trolle und das Bild ihrer grün und rot glühenden Augen vor dem Feuer drangen.

****

Der Tag war gerade erst angebrochen, als ihr jemand unsanft einen großen Kübel Wasser über den Kopf schüttete. Sie schreckte auf, zuckte aber sofort wieder zusammen. Die Schmerzen waren wirklich kaum auszuhalten.

Doch die Trolle hatten kein Mitleid und zogen sie unbarmherzig hoch. Wieder fesselten sie ihre Arme, doch die Beine sparten sie diesmal aus. Dann rissen sie sie mit sich, als sie das Lager verließen. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als ihnen stolpernd und strauchelnd zu folgen.

Der Schlaf, so unruhig er auch gewesen sein mochte, und das Wasser hatten ihr gut getan, und sie begann langsam wieder etwas klarer zu sehen. Sie zählte acht Trolle, von denen sechs vor ihr und zwei hinter ihr gingen. Sie waren zottelig und stanken bestialisch, aber das war das geringste der Probleme. Mit ihren grauenhaften Gesichtern, den Schlägernasen und den feurig glühenden Augen verbreitete allein ihr Anblick Furcht und Schrecken.

Sie konnte sich kaum vorstellen, welche Angst wohl Jarne damals gehabt haben musste, als die Trolle ihn damals in den Wald entführt hatten.

Mittlerweile breitete sich ein neuer Schmerz in ihr aus, und dieser kam aus ihrem Magen. Sie überschlug, dass sie nunmehr seit zwei Tagen nichts mehr gegessen und getrunken hatte, und allein dieser Gedanke half nicht, ihre Geister zu beleben. Sie wusste nicht, wie sie noch länger durchhalten sollte.

So gut sie konnte, ließ sie sich von den Trollen mitziehen, und hielt dabei den Kopf gesenkt, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wenn sie doch nur gewusst hätte, was sie mit ihr vor hatten und wohin sie sie führten.

Und wo um alles in der Welt Jarne war, wenn man ihn brauchte!


Wie schon gesagt, Russell hat nicht wirklich geholfen, schlechter Einfluss, wirklich, ;-).

Dennoch: pflichtbewusst, diszipliniert und gerade frisch aus dem Drucker.

In diesem Sinne Euch ein gutes neues Jahr!

So long,
Corinna

Kommentare:

  1. So, jetzt habe ich es länger nicht mehr geschafft die Geschichte zu lesen(so lange "durfte" ich nicht sitzen und am laptop lesen..), und eben alles noch mal in einem rutsch. Spannend!!!! Wann gehts weiter??? =) (ich will ja nicht drängeln *fg*)

    AntwortenLöschen
  2. Spannend, ich drucke die Geschichte aus und lese sie den Junioren vor.

    AntwortenLöschen

Liebe Frau_Mahlzahn!

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...