16.02.11

Halb Zwölf


Hier schon mal wenigstens die erste Hälfte des 12. Kapitels, damit endlich mal was vorwärts geht.

Enjoy.

Trollwald

Eine hoffentlich recht lässige Geschichte in mehr als 8 Kapiteln

Von Frau_Mahlzahn

12./1

Malin schaute nach oben, konnte aber nichts erkennen. Als sie etwas am Kopf traf, duckte sie sich instinktiv, merkte dann aber, dass es diesmal kein Stein gewesen war. Vor ihrer Nase baumelte das Ende eines Seiles. „Jarne,“ rief sie leise, bekam aber keine Antwort. Wieder hörte sie einen Pfiff, und das Seil zuckte leicht. Als sie am Seil zog, spürte sie einen leichten Widerstand.

Wer auch immer da oben auf sie warten mochte, er war ihre einzige Chance aus dieser Schlucht herauszukommen.

Mühsam kletterte sie an dem Seil nach oben. Endlich griff eine Hand nach ihrem Arm und zog sie das letzte Stück. Sie hievte sich über den Rand und setzte sich auf. In der Dunkelheit des Waldes konnte sie ihren Helfer nur schwer erkennen, aber sie sah sofort, dass es nicht Jarne war. Jedenfalls war es ein Mann, aber hatte keine Vorstellung davon, wer und wie alt er wohl sein mochte.

„Komm,“ sagte der Mann jetzt und drehte sich um. Mit wenigen Schritten war er schon aus ihrem Sichtfeld verschwunden, und wenn er auch gewollt hatte, dass sie ihm folgte, so hatte er doch nicht die Absicht, auf sie zu warten. Schnell rappelte sie sich auf und lief ihm hinterher. Als sie stolperte und fiel, drehte sich der Mann zu ihr um und reichte ihr die Hand. „Pssst,“ raunte er – als ob sie nur aus reiner Freude gestürzt wäre – und zog sie ein Stück hinter sich her.

Nach einigen Metern blieb er stehen und horchte in die Dunkelheit. Dann drückte er sie gegen einen Baumstamm und stellte sich schützend vor sie. So sehr sie sich auch bemühte, sie konnte nichts hören und hatte keine Ahnung, was seine Aufmerksamkeit erregt hatte.

Doch dann sah sie, wie sich ihnen langsam ein Licht näherte. Es war ein Schwarm Irrlichter, und Malin hatte den Eindruck, dass sie gezielt nach etwas suchten. Als der Mann sie hinter den Baumstamm zog, wurde ihr auch klar, was.

Sie.

Sie kauerten sich hinter dem Baum zusammen und warteten ab. Die Irrlichter tanzten nun ganz in ihrer Nähe, und sie hätte nur die Hand nach ihnen ausstrecken müssen, um eines davon zu berühren. Sie versuchte, sich noch kleiner zu machen, und hoffte, dass die Lichter sie nicht entdeckten.

Seitdem sie diesen Wald betreten hatte, schwirrten ihr diese Irrlichter immer wieder über den Weg, aber sie konnte nicht einordnen, was ihre Aufgabe war. Manchmal schienen sie nur wie kleine Kobalde herumzutanzen und die Verwirrung zu genießen, die sie stifteten. Dann wieder halfen sie, entweder ihr, oder Jarne, oder den Trollen. Und nun stürzten sie sich aggressiv auf sie, und sie wusste nicht, was sie damit beabsichtigten oder für wen sie handelten.

Ewigkeiten zogen ins Land und Malin konnte sich nicht vorstellen, auch noch eine Sekunde länger bewegungslos hocken zu bleiben. Ihre Beine begannen zu schmerzen, und in den Fingern spürte sie ein unangenehmes Kribbeln. Der Mann neben ihr schien ihre Unruhe zu spüren und schüttelte fast unmerklich den Kopf. Noch waren sie nicht in Sicherheit.

Malin stöhnte.

Ihr Stöhnen war noch nicht verklungen, als sich die Irrlichter schon zusammenrotteten und auf sie zuflogen. Im gleichen Moment riss der Mann sie hoch und zerrte sie mit sich. Sie stolperte hinter ihm her und schaute sich im Laufen noch einmal nach den Lichtern um, die sie schon wütend verfolgten. Der Anblick beschleunigte ihre Schritte – sie wusste zwar nicht, warum die Irrlichter hinter ihr her waren, aber sie ahnte, dass sie es nicht gut mit ihr meinten.

Vor ihr erreichte der Mann einen dichten Busch, dessen Zweige sich vor ihm auseinanderbogen. Der Mann verschwand in der Öffnung, doch Malin bremste ab. Zu oft schon war sie wie vor eine Mauer gerannt und sie vermutete auch jetzt, dass sich die Zweige vor ihr verschließen und ihr den Weg abschneiden würden. Der Mann spürte ihre Unsicherheit, drehte sich um und zog sie am Arm mit sich. Einen kurzen Moment später stolperte sie in eine Höhle und sah, wie sich die Zweige hinter ihr den Eingang wieder verdeckten. Sie hörte das Rascheln der Blätter, als die Irrlichter versuchten, einzudringen, aber der Eingang war dicht. Erleichtert ließ sie sich auf den Boden fallen.


So long,
Corinna

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Liebe Frau_Mahlzahn!

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