03.03.11

Justof


Trollwald

Eine hoffentlich recht lässige Geschichte in mehr als 8 Kapiteln

Von Frau_Mahlzahn

13.

Der Mann lachte, als er das Erkennen in Malins Augen sah.

„Du irrst Dich,“ sagte er, „ich bin Justof, sein Sohn.“

„Wie kann das sein?“, fragte sie, und überschlug, dass er mindestens dreihundert Jahre alt sein müsse. Andererseits wäre auch Redran nur zwanzig oder dreißig Jahre älter als das, wenn er noch lebte.

„Es ist eine lange Geschichte,“ antwortete Justof, „und ich erzähle sie dir, wenn wir in Sicherheit sind.“

„Sind wir das denn hier nicht?“ Sofort fühlte sie sich wieder unbehaglich.

„Hier können wir nicht lange bleiben. Nur so lange, wie es die Irrlichter mit uns aushalten, bevor sie unruhig werden und uns den Trollen verraten,“ sagte er und lachte wieder.

Jarne hatte sich die ganze Zeit im Hintergrund gehalten, aber nun kam er wieder nach vorne und nahm die Becher an sich. Er benimmt sich wie ein Diener, dachte Malin und fragte sich, was wohl die Geschichte dieser beiden sein mochte. Wie hatten sie zusammengefunden und was band sie aneinander? War Justof so etwas wie eine Art Vater für ihren Bruder?

Doch sie würde sich gedulden müssen, denn er lehnte sich jetzt zurück und schloß die Augen. Auch Malin merkte, dass sie völlig erschöpft war, und tat es ihm gleich. Sie spürte kaum, wie Jarne ihr ein warmes Fell unterlegte und ihr behutsam half, sich hinzulegen, damit sie besser schlafen könne.

Aber es war kein ruhiger und erholsamer Schlaf, in den sie fiel. Unruhig warf sie sich hin und her. In ihren wirren Träumen schwirrten tausende von Irrlichtern um sie herum und sie hörte den grausamen Gesang der Trolle, der immer näher kam. Wieder fand sie sich am Rand der Schlucht, die Füße fest an den Boden geklebt, unfähig zum Sprung. Hinter ihr näherten sich die Trolle und sie konnte fühlen, wie sie sie mit ihren rotglühenden Augen durchlöcherten. Sie aber stand nur da und konnte sich noch nicht einmal fallen lassen.

Aus dem Nichts tauchten zwei Hände auf und schüttelten Malin an der Schulter. Sie riss die Augen auf und hoffte, dass der Alptraum endlich ein Ende haben möge. Doch die Hände rüttelten immer noch an ihr und sie schaute direkt in ein paar tiefgrüner Augen. Im Hintergrund flackerten die Irrlichter wild und bedrohlich, genau wie in ihrem Traum. Sie setzte zum Schrei an, doch eine Hand hielt ihr den Mund zu.

„Pssst,“ flüsterte Justof, „wir müssen hier fort, die Irrlichter verlieren die Geduld mit uns und werden die Trolle bald zu uns führen, wenn wir hier nicht sofort verschwinden.“

Doch so sehr er sie auch drängte, sie brauchte eine ganze Weile, bis sie halbwegs verstand, was er ihr sagte. Sich noch einmal aufraffen und durch diesen verdammten Wald rennen, in dem ihr jeder Baum und jede Wurzel immer wieder deutlich machte, dass sie hier nicht willkommen war? Sie wusste nicht, ob sie dazu noch einmal die Kraft aufbringen würde, nicht bevor sie sich nicht gründlich ausgeschlafen hatte. Doch der Mann schüttelte sie weiter, und hinter ihm lief auch Jarne unruhig auf und ab und konnte es nicht erwarten, diese Höhle wieder zu verlassen.

Schließlich zerrte Justof sie einfach hoch und schleppte sie so gut es ging mit sich. Jarne lief vor ihnen und man merkte ihm seine Nervosität deutlich an. Irgendetwas war anders als die vorherigen Male, die sie durch den Wald geflüchtet waren, die Situation war deutlich angespannter.

Die Irrlichter schwirrten hinter ihnen her und attackierten sie regelrecht. Mit dem aggressiven Geflacker vor ihren Augen fiel es ihr schwer, sich auf den Weg zu konzentrieren. Außerdem versperrten ihnen wieder Büsche und Wurzeln den Weg, und wenn sie sich durchgekämpft hatten, peitschten ihnen die Zweige hinterher. Es dauerte einen Moment, bis Malin auffiel, dass die Pflanzen diesmal noch nicht einmal Jarne und Justof verschonten.

Überall um sie herum dröhnte es und der Boden bebte. Malin konnte kaum das Gleichgewicht halten. Undeutlich nahm sie aus der Ferne auch das bellende Gebrüll wahr, das sie nur zu gut kannte: die Trolle waren ihren wieder auf den Fersen.

Doch diesmal würden sie ihnen nicht entkommen.

Obwohl die Lage aussichtslos war, zerrte Jarne sie weiter.

Justof dagegen schien immer ruhiger und gelassener zu werden, je näher ihnen die Trolle kamen.

Es schien so, als ergebe er sich seinem Schicksal.

Nicht so ihr Bruder. Er versuchte sich weiter durch das Gebüsch zu schlagen und seine Bemühungen wurden immer verzweifelter. Was auch immer da auf sie zukommen mochte, er wusste, dass er es lieber nicht erleben wollte.

Doch schließlich erwischte ihn eine Wurzel am Unterschenkel und brachte ihn zu Fall. Gleich stürzten sich die Zweige der Büsche auf ihn und umschlungen ihn wie ein Seil, von dem er sich nicht befreien konnte.

Auch Malin stürzte und fühlte sich im nächsten Moment grob von den Zweigen gepackt und so lange herumgeschleudert, bis sie sie fest umschlungen hatten. Auch sie konnte sich nicht mehr rühren.

Nur Justof stand noch, und als er jetzt die Trolle mit ihren wütenden roten Augen auf sich zukommen sah, hob er seine Hände zum Zeichen, dass er sich nicht zur Wehr setzen würde. Die Trolle griffen ihn und warfen ihn unsanft zwischen sich hin und her, bis einer auch ihn fesselte.

Jetzt kamen zwei der stinkenden Trolle zu Malin und Jarne und schnitten die Zweige durch. Die Büsche reagierten mit einem ärgerlichen Fauchen und hier und da schien einer nach den Trollen ausschlagen zu wollen, besann sich aber eines Besseren. Die langen Enden der Zweige umfassten Malin und ihren Bruder noch fest, und die Trolle zogen die beiden hoch und trieben ihre drei Gefangenen vor sich her durch den Wald, in dem sich nun kein Busch, keine Wurzel oder Baum mehr regte.

Malin merkte, dass es auf einmal völlig still um sie herum geworden war, denn selbst die Trolle schwiegen, und der weiche Waldboden dämpfte ihre Schritte. Sie konnte nur ihr eigenes Herz pochen hören.

„Wohin bringen sie uns?“, rief Malin, und erschrak selber, als der Klang ihrer Stimme die unheimliche Stille durchbrach.

Justof antwortete gelassen:

„Zu meiner Mutter.“


****

Nur um es noch mal erwähnt zu haben:

Das ist meine Geschichte -- verlinken, Euch ausdrucken, vorlesen, das würde mich sehr freuen! Copy&Paste und womöglich noch den eigenen Namen drüber schreiben -- nein.

Hat man ja erst dieser Tage gesehen, was dabei rauskommt...

So long,
Corinna

1 Kommentar:

  1. Gefällt mir besser als das letzte Kapitel -- wann geht es weiter?

    Mutze

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Liebe Frau_Mahlzahn!

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