24.09.11

Der Stalker


Nicht oft, aber doch immer mal wieder, steht mir der Sinn nach einem echten Thriller. So einem, wo man einerseits Streichhölzer braucht, die man zwischen die Augen stecken kann, damit diese nicht zufallen. Aber andererseits auch einen, bei dem man immer wieder die Augen ganz fest zusammenkneifen möchte, weil man sich gar nicht so genau vorstellen will, was man da eigentlich gerade liest.

Gute Sache also, dass der List Verlag aus der Ullsteinbuchverlagsgruppe so freundlich war, mir Tania Carvers neuen Roman Der Stalker zur Verfügung zu stellen.


Es sollte eigentlich nicht so wichtig sein, aber bereits beim Auspacken fiel mir das Cover sehr positiv auf, und auch dass das Buch ein gutes, handliches Format hat. Wäre sicher eines, zu dem ich greifen würde, wenn ich es in der Buchhandlung bei den Thrillern liegen sähe, um ein wenig herumzublättern.

Und tatsächlich fing der Roman schon mal sehr gut an, ein bisschen -- aber nicht zu -- gruselig, und grade gut, es abends griffbereit auf dem Nachtkasten liegen zu haben:

Zwei Frauen sind spurlos verschwunden, eine weitere, Suzanne Perry, wird Opfer eines Stalkers, der nachts bei ihr eindringt. Noch gibt es keinen Zusammenhang zwischen den Fällen, bis eine schrecklich verstümmelte Frauenleiche gefunden und Suzanne Perry entführt wird. Mitten im Ermittlungschaos findet sich Detective Phil Brennan in einer Familienkrise wieder, denn seine Lebensgefährtin und Mutter des gemeinsamen Kindes hat sich auf und davon gemacht. Außerdem machen ihm sein Vorgesetzter (ein eitler Gockel), eine neue Kollegin und eine neue Profilerin (beides ebensolche Gockelinen), das Leben und die Ermittlungen schwer... Währenddessen setzt der Stalker, oder Creeper, wie ihn Carver eigentlich nennt, sein Werk fort, ohne irgendwelche Hinweise auf seine Identität zu hinterlassen...

So weit, so spannend.

Carvers Stil ist flüssig und unterhaltsam, die Protagonisten sind gut und relative nachvollziehbar beschrieben... dennoch gerät die Geschichte nach einer Weile ins Stocken, ohne dass ich genau sagen könnte, warum.

Die Motivation des Creepers ist recht schnell geklärt. Die Seinskrise von Brennans Lebensgefährtin Marina, so viel habe ich aus dem Klappentext erfahren, erschließt sich nur dann wirklich, wenn man den ersten Roman Entrissen kennt.

Die Cliffhanger am Ende der Kapitel, die die LeserInnen gierig machen, zu erfahren, wie es weitergeht, nur um im nächsten Kapitel erst mal wieder in eine andere Handlung katapultiert zu werden, habe ich persönlich als etwas anstrengend empfunden.

Carver streut zwar geschickt Hinweise, die auf das überraschende Ende vorbereiten, doch so wirklich überzeugt und mitgerissen hat es mich nicht. Das Ende war mir irgendwie zu... konstruiert, zu wenig ausgearbeitet. Ich hatte fast ein bisschen den Eindruck, die Autorin wolle bald zum Ende kommen.

Last but not least, entspricht die Übersetzung des Titels Der Stalker nicht wirklich dem Inhalt, zumal im Roman selber vom Creeper die Rede ist, und mir scheint, man wäre besser beim englischen Orginaltitel geblieben.

Außerdem fielen mir einige Ungereimtheiten auf(warum hebt der Creeper sein Sperma gut abgefüllt in Reagenzgläsern auf, wie hat er sich Zutritt zur Wohnung einer der vermissten Frauen verschaffen können, etc.), und auch die Personen im Umfeld des Creepers waren mir nicht ganz schlüssig.

Auch inhaltliche Widersprüchlichkeiten gibt es, so zum Beispiel, dass die Protagonisten am Ende über Informationen verfügen, die sie eigentlich gar nicht haben konnten (weil sie eigentlich jemandem anderen mitgeteilt worden waren).

Alles in allem ist Der Stalker zwar gute, schnelle Unterhaltung, aber noch nicht ganz der große Wurf. Deshalb würde ich dreieinhalb von fünf Sternen geben. Gerne weise ich bei der Gelegenheit aber auch darauf hin, dass das Buch auch durchaus sehr gute Besprechungen bekommen hat.

Ich darf mich wieder bei Blogg dein Buch für die Vermittlung des Romans bedanken -- eine tolle Sache, schaut mal rein, wenn Ihr mögt, die Auswahl ist groß, und es macht Spaß, Bücher zu rezensieren.

So long,
Corinna

Kommentare:

  1. Danke für die Verlinkung, hab den Verweis auf Deine Rezension eben noch eingefügt :)

    LG
    Daggi

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  2. Danke für den Tipp. Kann ich immer brauchen.

    Mein Buchtipp:
    Im Sommer hab ich "Tiere" von S. Beckett gelesen.
    Hat mir sehr gut gefallen. Kennst du vielleicht eh schon.

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Liebe Frau_Mahlzahn!

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