06.03.14

Umwege erweitern die Ortskenntnis, oder: Schimpfen lohnt sich nicht

 
Wenn die Kinder meinen, ich sollte ruhig mal weniger schimpfen, haben sie durchaus Recht.
 
Ich schimpf' nämlich wirklich echt viel.
 
Bin schnell genervt, leicht reizbar und ziemlich aufbrausend.
 
Dabei, fiel mir erst gestern wieder auf, kommt ziemlich oft sogar was Gutes dabei raus, wenn die Kinder nicht so tun wie sie sollen...
 
Gestern zum Beispiel war ich mit dem Mo in der Impfberatungsstelle in der Innenstadt und war eh schon grantig, weil wir uns im Termin vertan hatten und erst nächste Woche dran sind.
 
Als wir schon wieder auf dem Rückweg waren und sogar schon im Bus saßen, fiel dem Mo ein, dass er seine Jacke vergessen hatte.
 
Gnarf.
 
Weil ich aber nicht den ganzen Weg zurücklaufen wollte, sagte ich dem Mo, er solle eben schnell vorlaufen, seine Jacke selber holen, ich würde derweil an der Straßenecke warten.
 
Und beim Warten fiel mir dieses hier auf:
  
 
Die Radetzkystraße entlang zieht sich dieses Zitat aus den Lebenserinnerungen des Rabbiners Dr. David Herzog, der in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, der Reichspogromnacht, aus seiner Wohnung geholt und brutal misshandelt wurde:
 
"Nun wurde ich auf die Straße getrieben und zu laufen geheißen... Wir kamen zur Murbrücke, da wollten mich 3 der Kerle in den Fluß werfen, aber 2 Frauen, die sich den brennenden Tempel anschauen wollten, schrien 'Ihr werdet doch den alten Mann nicht im Winter in das Wasser werfen.' So trieben sie mich zum brennenden Tempel..."
 
Wir wohnen zwar schon wirklich lange in Graz, weil ich aber selten in der Radetzkystraße bin, war mir das bisher entgangen.
 
Und ich hätt's auch nicht gesehen, hätte der Mo nicht seine Jacke vergessen.
 
Wir sind dann noch die Straße abgegangen, um den ganzen Text zu lesen (was einige Leute wohl eher befremdlich fanden, aber wir waren sehr froh, es gefunden zu haben). 
 
So long,
Corinna
 


Kommentare:

  1. Ohh....ja....oft sind es die Dinge, die schief laufen.....daß man andere Sachen entdeckt!
    Alles im Leben hat also seinen Sinn!
    Lieben Gruß
    Gisela

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  2. Spannend! Bei den meisten Dingen die schief oder echt böse laufen glaube ich an das Schicksal ... ohne es groß zu erläutern ... ohne etwas Schlimmes gäbe es meinen Sohn heute nicht.

    Allerliebst,
    Steph

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Liebe Frau_Mahlzahn!

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