02.09.14

Wien... und so

 
"Bitte, Ma," hatte der Mo vor einigen Wochen treuherzig mit seinen Augendeckeln geklimpert, "bitte fahr mit uns nach Wien!"
 
Mutze und er wollten nämlich unbedingt zur Manga-Convention und brauchten eine Begleitung, die ihnen die Unterkunft, den Eintritt und das Essen zahlt aufpasst, dass sie gut und sicher untergebracht sind.
 
"Du brauchst auch nicht mit rein kommen" klimperte der Mo weiter, "sondern kannst die ganze Zeit in irgendwelchen Museen abhängen."
 
(Denn merke: ich besuche keine Museum, sondern hänge dort ab...).
 
Diesmal war mir aber nicht nach Museen, sondern ich wollte mich möglichst im Freien aufhalten.
 
So habe ich (während die Kinder viel, viel Freude auf der Convention hatten, die wirklich toll gewesen sein muss) zweieinhalb sehr entspannte Tage damit verbracht, die Kunst- und Literaturgeschichte und Geschichte Wiens mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
 
Und habe mir verschiedene Friedhöfe angeschaut.
 
(Im Regen).
 
Dabei bin ich unter anderem an den Gräbern von einigen der ganz, ganz Großen vorbeispaziert:
 
Bruno Kreisky,
Friedrich Torberg,
Egon Schiele
und
Gustav Klimt
 
Ganz besonders angetan hat es mir aber der älteste erhaltene jüdische Friedhof Wiens, dessen ältester sicher datierbarer Grabstein aus dem Jahre 1582 stammt. 
 
(Der meines Wissens nach älteste datierbare jüdische Grabstein in Wien überhaupt stammt aus dem Jahr 1349, steht allerdings nicht mehr an seinem ursprünglichen Platz)
 
 Den Friedhof findet man aber nur, wenn man weiß, wonach man sucht, denn er ist ganz unscheinbar und unvermutet im Garten eines Seniorenwohnheims gelegen.
 
 
Zuerst fanden wir das ein bisschen.... morbid... doch tatsächlich gibt es eine Erklärung:
 
Nachdem die jüdische Gemeinde Wiens immer wieder aus der Stadt vertrieben worden war, und wenigstens den Erhalt des Friedhofs nur durch hohe Geldzahlungen erreichen konnte, übernahm Ende des 17. Jahrhunderts der Bankier Samuel Oppenheimer den Grund, wo er neben dem Friedhof auch ein "Alten-Siechheim" errichten ließ.
 
Und so ist es ein Teil der Geschichte dieses Friedhofs.
 
Wie auch immer, es ist wunderschön dort!
 
****
 
Nebenbei war auch noch genügend Zeit, mit meiner Freundin, deren Sohn ebenfalls bei der Convention war, lange in verschiedenen Kaffeehäusern zu sitzen oder Buchhandlungen zu durchstöbern.
 
(Und mir dabei ausreichend Reiselektüre zuzulegen: Bruno Kreisky, Erinnerungen, und Oliver Rathkolb, Die paradoxe Republik: Österreich 1945 bis 2010).
 
Herrlich!
 
****
 
Wenn alles gut geht, können wir endlich schon Ende nächster Woche fliegen!
 
****
 
Euch wünsche ich einen schönen Tag!
 
So long,
Corinna
 
 P.S. @ Astrid Ka: Habe ich vielleicht bei Dir über diesen Friedhof gelesen?

1 Kommentar:

  1. Nein, du Liebe! Denn DORT war ich noch nicht, aber bald... Wahrscheinlich sitzt du dann aber schon längst im Flieger, wenn wir in Schwechat einfliegen :-D
    Ich hoffe, ihr trefft es gut an, du kannst dort auch in Museen abhängen und - das Wichtigste - wir lesen hier weiter von dir!
    Alles, alles Gute!
    Astrid
    Und: Bitte den Goldenen Drachen der Weisheit von mir grüßen! In den hat sich Frau Mahlzahn hier auch verwandelt, denn sie traktiert keine Kinder mehr!

    AntwortenLöschen

Liebe Frau_Mahlzahn!

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...