18.12.15

Eine Geduldsprobe...


China hat mich definitiv verändert.

Früher hatte ich deutlich mehr Toleranz für meine Mitmenschen und habe mich tunlichst nach dem Satz "don't judge the life of others for you have no idea what their journey is all about" gerichtet.

Das kann ich jetzt nicht mehr unbedingt von mir behaupten.

Denn sowohl in der Expat-Umgebung als auch an der Uni treffe ich immer wieder Menschen, die meine Geduld überstrapazieren.

So groß China auch ist, die Expat-Welt ist einfach sehr, sehr klein, und obwohl man meinen sollte, dass wir alle im selben Boot sitzen und uns helfen und unterstützen sollten, scheint mir hier das Getratsche, Ausgrenzen und die Cliquenbildung noch ärger zu sein als zu Hause.

Wahrscheinlich bin ich unfair, denn man muss natürlich auch berücksichtigen, dass wir hier zwar im Überfluss, gleichzeitig aber doch unter erschwerten Bedingungen leben.  

Die Bewältigung des Alltags ist schwerer (einkaufen, ein Heim für die Familie richten, Freiräume finden, die Freundschaften der Kinder ermöglichen, sich überhaupt zurechtfinden, etc.), außerdem hat man weniger Ausweichmöglichkeiten.

Mir scheint, dass manche meiner Mitmütter auch einfach viel zu viel Zeit haben, und sich deshalb viel mehr auf ihre Befindlichkeiten konzentrieren, als sie es zu Hause tun würden.

(Und manchen, seien wir ehrlich, steigt der Überfluss zu Kopf: das größere Haus, die leistbare Vollzeit-Haushälterin, der Fahrer, das Shoppen...).

Das macht das Zusammenleben nicht leichter.

Mir selber gefällt China ja wirklich gut und ich finde es sehr belebend, in so einer spannenden und herausfordernden Umgebung zu leben -- trotzdem scheine auch ich hier gestresster zu sein.

Behaupten zumindest meine Kinder und behauptet die Ärztin, der ich erzählte, dass ich oft schlecht schlafe und manchmal Schwindelgefühle habe.

Aber ich würde niemals tauschen wollen!

(Im Gegenteil finde ich die Vorstellung, dass wir die Hälfte der Zeit schon fast um haben und quasi bald schon wieder nach Hause müssen, sehr erschreckend!)

Jedenfalls, um den Kreis wieder zu schließen:

Irgendein Ventil scheint es wohl zu brauchen, und meines ist es, mich nicht mehr unnötig in Geduld zu üben, wenn mir etwas oder jemand gegen den Strich geht.

Zugegebenerweise macht auch das das Zusammenleben (mit mir) nicht unbedingt leichter.

Das richtige Maß müsste ich also nur noch finden, :-).

So long, 
Corinna

Kommentare:

  1. Halte durch ... Ihr alle könnt so stolz auf Euch sein, dieses Abenteuer zu wagen. Da sch... man doch auf das Tratschvolk!

    Aus der Heimat schon einmal die besten Grüße zu Weihnachten, herzlichst,
    Steph

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  2. Ja, women beware women. Ich hab' den Glauben an die schwesterliche Solidarität ja schon während des Studiums aufgegeben ....

    Aber ganz ehrlich: Ist der chinesische Smog nicht noch viel schlimmer? Die Nachrichten aus Peking machen einem echt Sorgen.

    Viele Grüße vom erderwärmten Mittelrhein, wo rechtzeitig zu Weihnachten die Magnolien ausschlagen!

    Anna

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  3. Ohjeee, das klingt anstrengend. Ich lese ja immer sehr bewundernd deine Berichte aus dem fernen Land und ziehe den Hut vor dem Mut und der Energie, die ihr dort aufbringen müsst. Vielleicht auch, weil das so überhaupt gar nichts für mich wäre. Ich bin und bleibe gerne auf meiner Scholle.
    Als, ich schließe mich Steph an: Halt durch!
    Ich wünsche dir und deiner Familie ein schönes Weihnachtsfest und ein bisschen Ruhe vor den "Verrückten". ;o)
    Ganz liebe Grüße
    Die NähMa!

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Liebe Frau_Mahlzahn!

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