20.12.15

I am sätt



Beim Stöbern bin ich auf einen alten Post gestoßen, über den ich sehr schmunzeln musste:



Das war Anfang Februar 2014, als wir alle wegen unseres China-Abenteuers schon ganz aufgeregt waren.

Damals hatte der Mo in der Schule gerade erst angefangen, Englisch zu lernen, Minka konnte gar kein Englisch und Mutze hatte es in der Schule jahrelang mehr oder weniger verweigert.

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Mittlerweile sprechen und schreiben sie es fließend, und wechseln mühelos zwischen Englisch und Deutsch hin und her.

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Allerdings muss ich sagen, dass ich an Minkas erstem Schultag an der Internationalen Schule wirklich gezweifelt habe, ob wir das Richtige tun.

Bzw., um der Wahrheit die Ehre zu geben:

Als ich sie zu ihrem Klassenraum führte, habe ich mir arge Vorwürfe gemacht, was wir unseren Kindern da nur antun.

Mal eben ein bisschen entwurzeln, in ein komplett neues Umfeld werfen, in dem sie noch nicht einmal die Sprache sprechen...

Gerne hätte ich mir die Kinder genommen und wäre mit ihnen nach Österreich zurückgeflogen.

Und es war am Anfang wirklich ein bisschen frustrierend für sie. 

Nach wenigen Wochen meinte Minka aber, sie könne zwar im Unterricht nicht alles verstehen, aber meistens hätte sie zumindest eine ungefähre Vorstellung davon, was vor sich ginge.

Und als sie wenige Wochen später aufforderte, doch bitte ihre Hausaufgabe zu machen, sagte sie:

"Ach, Ma, können wir nicht einfach so tun, als hätte ich nicht verstanden, dass es Hausaufgabe ist?"

Da wusste ich, dass alles in Ordnung war, :-).

Herrlich ist, dass sie alles, was sie hier neu lernt, nurmehr nur auf Englisch kann -- zum Beispiel alles was mit Musik zu tun hat.

(Sie spielt hier Trompete und hatte letzte Woche ihren ersten Auftritt vor einem großen Publikum.)

Zahlen sind allerdings noch verwirrend für sie, da macht sie häufig Zahlendreher (fourty-eight wird zum Beispiel zu Vierundachtzig und andersrum).

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Der Mo tut sich sehr leicht mit dem Englischen (und übrigens auch mit dem Chinesischen -- ich finde es sehr unfair, dass er kaum lernt und trotzdem gute Noten bringt, während ich ohne Ende leide...), und ist jetzt gerade in den nächsthöheren Level aufgestiegen.

Darauf ist er sehr stolz, und dass darf er auch sein.

Er tut sich überhaupt relativ leicht in der Schule, und findet dass die Internationale Schule im Vergleich zu seinem Gymnasium in Graz ein Waldspaziergang sei.

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Mutze kann das nicht bestätigen, denn in der Oberstufe geht es hier so wirklich zur Sache -- lernen, lernen, lernen... Das Internationale Baccalaureate Programm verlangt den Schüler/innen wirklich viel ab, kein Vergleich zu Österreich.

Sie hängt wacker drin und gibt sich alle Mühe -- in Vorfreude darauf, dass Uni später mal ein Klacks wird im Vergleich zu dem hier, :-).

Auch sie wechselt mittlerweile mühelos zwischen Deutsch und Englisch hin und her und schreibt auf Englisch mindestens genauso gute Aufsätze und Geschichten, wie auf Deutsch. 

Ich war kürzlich ganz begeistert über die Beurteilung ihres Geschichtslehrers -- sehr anspruchsvollen Geschichtslehrers, by the way -- dass Sprache nun wirklich kein Problem für sie sei.

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Chinesisch lernt leider nur der Mo in der Schule -- Marie braucht Deutsch für ihren Schulabschluss, da dieser sonst im deutschsprachigen Raum nicht (oder nur mit Zusatzprüfung?) anerkannt wird, und Minka muss noch die Muttersprache verfestigen.

Aber sie schnappen zumindest ein bisschen was auf.

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Ich kann nicht mit voller Überzeugung sagen, dass das Leben an einer Internationalen Schule leicht ist, denn auch hier gilt, dass man wenig Ausweichmöglichkeiten hat. 

Aber sie profitieren dennoch sehr.

Ob es am Ende die Entscheidung, sie aus ihrem vertrauten Umfeld zu holen, aufwiegt, werden wir sehen, aber ich glaube schon, dass sie weltoffener geworden sind.

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So.

Wir packen jetzt die Koffer und brechen in den wohlverdienten Weihnachtsurlaub auf.

Euch wünsche ich eine wunderschöne Zeit und ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

So long,
Corinna

18.12.15

Eine Geduldsprobe...


China hat mich definitiv verändert.

Früher hatte ich deutlich mehr Toleranz für meine Mitmenschen und habe mich tunlichst nach dem Satz "don't judge the life of others for you have no idea what their journey is all about" gerichtet.

Das kann ich jetzt nicht mehr unbedingt von mir behaupten.

Denn sowohl in der Expat-Umgebung als auch an der Uni treffe ich immer wieder Menschen, die meine Geduld überstrapazieren.

So groß China auch ist, die Expat-Welt ist einfach sehr, sehr klein, und obwohl man meinen sollte, dass wir alle im selben Boot sitzen und uns helfen und unterstützen sollten, scheint mir hier das Getratsche, Ausgrenzen und die Cliquenbildung noch ärger zu sein als zu Hause.

Wahrscheinlich bin ich unfair, denn man muss natürlich auch berücksichtigen, dass wir hier zwar im Überfluss, gleichzeitig aber doch unter erschwerten Bedingungen leben.  

Die Bewältigung des Alltags ist schwerer (einkaufen, ein Heim für die Familie richten, Freiräume finden, die Freundschaften der Kinder ermöglichen, sich überhaupt zurechtfinden, etc.), außerdem hat man weniger Ausweichmöglichkeiten.

Mir scheint, dass manche meiner Mitmütter auch einfach viel zu viel Zeit haben, und sich deshalb viel mehr auf ihre Befindlichkeiten konzentrieren, als sie es zu Hause tun würden.

(Und manchen, seien wir ehrlich, steigt der Überfluss zu Kopf: das größere Haus, die leistbare Vollzeit-Haushälterin, der Fahrer, das Shoppen...).

Das macht das Zusammenleben nicht leichter.

Mir selber gefällt China ja wirklich gut und ich finde es sehr belebend, in so einer spannenden und herausfordernden Umgebung zu leben -- trotzdem scheine auch ich hier gestresster zu sein.

Behaupten zumindest meine Kinder und behauptet die Ärztin, der ich erzählte, dass ich oft schlecht schlafe und manchmal Schwindelgefühle habe.

Aber ich würde niemals tauschen wollen!

(Im Gegenteil finde ich die Vorstellung, dass wir die Hälfte der Zeit schon fast um haben und quasi bald schon wieder nach Hause müssen, sehr erschreckend!)

Jedenfalls, um den Kreis wieder zu schließen:

Irgendein Ventil scheint es wohl zu brauchen, und meines ist es, mich nicht mehr unnötig in Geduld zu üben, wenn mir etwas oder jemand gegen den Strich geht.

Zugegebenerweise macht auch das das Zusammenleben (mit mir) nicht unbedingt leichter.

Das richtige Maß müsste ich also nur noch finden, :-).

So long, 
Corinna

15.12.15

Gestern so...


Gestern so im Vorbeigehen die Zukunftsform "ich werde" mit 会 gelernt...

Es wird...

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Und wenn das Semester vorbei ist und ich mit meinem TEFL-Kurs gut unterwegs bin, gibt's auch mal wieder was weniger Spracherwerbs-lastiges.

(Gibt es vielleicht was, was Euch besonders interessieren würde?)

Euch wünsche Euch einen schönen Tag!

So long,
Corinna

14.12.15

Spracherwerb...


Gelegentlich diskutiere ich mit Freunden (oder Franks Chef) darüber, ob es beim Chinesisch-Spracherwerb reicht, einfach nur die Sprache -- also das Sprechen der Sprache -- zu lernen, oder ob man, wenn man eh schon dabei ist, die  Schriftzeichen und Grammatik gleich mitlernt.

Die meisten tendieren dazu, einfach nur Sprechen zu lernen, was eh schon schwer genug ist.

Frank und ich dagegen finden, wenn man eh grad mal dabei ist, kann man auch gleich das volle Programm machen...

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Andererseits komme ich immer mehr darauf, dass sich die Frage für mich nicht wirklich stellt, denn ich scheine irgendwie bildlich zu denken:

Wenn ich das Wort nicht schriftlich vor meinem inneren Auge habe, kann ich es mir auch nicht merken -- nur nach Gehör würde für mich gar nicht gehen.

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An der Uni hatte ich immer wieder derbe Rückschläge... d.h. einen großen Teil des Semesters war ich einem Zustand der permanenten Frustration, weil ich nix verstanden habe.

(Bzw., um der Wahrheit die Ehre zu geben: weil ich einfach nicht genug gelernt habe... flööööt).

Mittlerweile geht es aber wieder, und ich habe auch meine Hemmungen überwunden, im Seminar einfach drauflos zu plaudern.

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Gestern so im Taxi:

Die ganze Fahrt über mit dem Fahrer geplaudert. Und der hatte nun wirklich den schlimmstmöglichen Tianjin-Akzent, den man sich nur vorstellen kann.

Ich glaube, das nennt man einen Durchbruch, :-).

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Euch wünsche ich noch eine schöne und besinnliche Adventszeit!

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(Ach ja, wenn Ihr mich sucht, ich werde dann bald mal unter weihnachtsferienbedingt unter Palmen am Strand liegen... und Schriftzeichen lernen, :-).)

So long,
Corinna



11.12.15

Go away, Mr. Tumor



Ich sollte wirklich öfter chinesische Filme schauen!

Der hier ist richtig, richtig gut.


Nur am Ende viel zu traurig, :-(.

Und ja:

Gott sei Dank für englische Untertitel.

So long,
Corinna

05.12.15

Erstens.... zweitens...


Gott sei Dank für halbwegs gute chinesische Musik!


Die beiden sind deutlich besser als die Band, die sie covern, :-).

(An der Uni spammen uns die Teachings Assistants in den Pausen immer mit so richtig, richtig grauseliger Musik zu, da war ich sehr dankbar, als sie zur Abwechslung mal so was gezeigt haben).

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Außerdem:

Nachdem ich mich an der Uni derzeit in einem Zustand permanenter Frustration befinde -- (听不懂,看不懂,不会说: verstehe nix, kann nix lesen, kann nix sprechen...) -- habe ich mich gerade für einen Online Kurs Teaching English as a Foreign Language angemeldet. 

Damit werde ich in den kommenden Semesterferien ordentlich zu tun haben, und kann endlich mal wieder die kreative Seite meines Gehirns benutzen.

Des wird so richtig klasse!

(Aber auch anstrengend, vor dem Kapitel Pronounciation und Phonology graut es mir schon jetzt!).

Und dann mal schauen, ob ich einen Nebenjob als Englisch-Lehrerin finde.

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Euch wünsche ich ein wunderschönes zweites Adventswochenende!

So long,
Corinna

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