04.06.16

Ein geschenkter Tag


Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu, und wie das immer so ist am Ende eines Schuljahres:

Die Nerven liegen blank. 

Dieses Jahr noch mehr als sonst, denn zusätzlich zum Schulstress habe ich diese Expat-Prinzessinnen-Welt, der wir leben, in den letzten Wochen als äußerst ... äh... anstrengend erlebt.

Manchen Leuten steigt der Luxus und die Privilegien, die wir hier haben, eben einfach zu Kopf, und das, was dabei herauskommt, ist nicht immer schön mitanzusehen...

(Hab' ich aber, glaube ich, schon mal erwähnt, oder?)

Weil also die Nerven eh schon ziemlich blank liegen, war ich wenig erfreut, dass mich zu all' dem, was eh schon abgeht, mein Mann nach Shanghai zitierte, um ein paar Visa-Angelegenheiten zu regeln.

Aber was soll ich sagen?


Aus dem, was mich vorher noch genervt hatte, wurden ein Schnelltrip zur Meldebehörde, ein noch schnellerer Trip zum nächsten Fake-Market, eine Regenjacke kaufen, sehr, sehr nasse Füße, eine Zufallsentscheidung meines Reiseführers, und ein extrem wohl verbrachter Nachmittag -- eine Erholungsinsel, und sicher einer dieser Nachmittage, an die ich mich noch lange gerne erinnern werde.


Das um 1903 herum von Briten erbaute Tilanqiao-Gefängnis für politische Häftlinge, das als das größte Asiens galt. Später wurde es von den Japanern übernommen. Es ist noch heute in Betrieb, den Anwohnern allerdings ein Dorn im Auge.

Direkt in der Nachbarschaft befindet sich das sogenannte "jüdische Ghetto", in dem tausende von Juden auf ihrer Flucht vor den Nazis Zuflucht fanden. Es sind nur ein oder zwei Straßenzüge und es muss wirklich sehr, sehr eng gewesen sein, doch scheint es auch ein reges kulturelles Leben gegeben zu haben.




In einem dieser Häuser lebte auch Michael Blumenthal, der später unter Jimmy Carter US-Finanzminister wurde.


Straßenkunst, quasi, die an das Zusammenleben zwischen den jüdischen und chinesischen Nachbarn erinnert.


Das Viertel ist auch heute noch extrem atmosphärisch, überall kleine Geschäfte und diese kleinen Straßenküchen, die ich so sehr liebe.


... und in dieser kleinen, hmmm, Trafik saßen ein paar ältere Leute im Geschäftszimmer zusammen und spielten Mahjong, ein chinesisches Spiel, das sehr entfernt an die Regeln von Rommé erinnert.


Schön war's, trotz Regen, und ich bin froh, dass ich die Zeit und Ruhe hatte, einfach so durch die Straßen zu laufen und zu genießen.

****

Außerdem vor lauter Übermut gerade zwei Kurzreisen mit den Kindern klargemacht -- einer ins nahegelegene Beijing, für das wir uns noch nie so richtig Zeit genommen haben, und eine zweite nach Qingdao, auf das ich schon sehr gespannt bin. 

Eine dritte wird sich auch noch ausgehen, bevor wir im Juli für ein paar Wochen nach Österreich kommen, aber ich habe mich noch nicht entschieden, es gibt einfach zu viele interessante Reiseziele in China, selbst wenn man immer nur ein paar Tage Zeit hat.

Das Leben ist schön, :-).

So long,
Corinna

1 Kommentar:

  1. Ich freue mich, dass das Fazit ist, wie es ist! Und ich finde es toll, was Du uns immer mitbringst und zeigst.

    Ein Prost auf Dich und die tollen Erfahrungen!
    Steph

    AntwortenLöschen

Liebe Frau_Mahlzahn!

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...