21.04.17

Verkehrserziehung


Schrieb ich tatsächlich erst vor wenigen Wochen einen begeisterten Post über die Leihfahrräder, die hier allerorts aus dem Boden schießen?

Im Grunde eine wirklich gute Idee, eigentlich auch dadurch, dass man die Räder überall abstellen darf und nicht erst eine Station finden muss...

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Und genau das ist es, was mich jetzt, im Frühling, wo alle wieder gerne radeln, in den Wahnsinn treibt: nämlich, dass man sie wirklich einfach überall abstellen darf.

Denn so sieht es tagsüber vor dem Bürogebäude neben unserem Haus aus:


An Durchkommen ist nicht mehr zu denken.

Mittlerweile zeigen sich also auch die Mängel dieses Systems und insbesondere die Auswüchse des enormen Wettbewerbs zwischen den Betreibern.

Ich bin gespannt, wie es sich weiterentwickelt.

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Gestern rief man an der Nankai Universität zur Verkehrserziehung.

Mit Anwesenheitspflicht.

Was folgte, war eine Mischung zwischen Kindergarten-Klamauk und Horrorshow.



Verkehrsregeln von Straße überqueren bis Anweisungen der Verkehrspolizei befolgen über krasseUnfallvideos der Straßenkameras.

Zum Glück habe ich ungefähr die Hälfte der Videos verschlafen, und bin erst durch die überraschten Rufe der anderen Anwesenden wieder aufgewacht.

Das war alles sicher gut gemeint, aber... warum zeigen die das uns?

Die wenigsten von uns fahren hier in China Auto. Und die meisten von uns kommen aus Ländern, in denen es tatsächlich Verkehrsregeln gibt.

Oder besser: in denen die Verkehrsregeln auch streng befolgt werden.

Natürlich gibt es in China auch Verkehrsregeln, keine Frage. 

Doof daran ist nur, dass sie, übertrieben ausgedrückt, im Grunde auf das Recht des Stärkeren hinauslaufen, denn der Verkehrsfluss muss so gut es geht am Laufen gehalten werden.

Angesichts der Auto-Massen, die sich hier nicht nur zu Stoßzeiten auf den Straßen tümmeln, ergibt das auch Sinn.

Andererseits hat es zu einer Hierarchie im Straßenverkehr geführt, an dessen unterem Ende Radfahrer und Fußgänger stehen.

Und dazu, dass man (vom Autofahrer bis hin zum Fußgänger) leicht versucht ist, jede Lücke auszunutzen, um ans Ziel zu kommen.

Was den Eindruck der Regellosigkeit natürlich umso mehr verstärkt.

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Und so gesehen, war ich mir gestern wirklich nicht sicher, ob wir internationalen Studierenden die richtigen Adressaten für Verkehrserziehung waren...

Leider konnte auch der entzückende Tianjin-Akzent des Vortragenden meine Aufmerksamkeit nicht fesseln, aber immerhin bin ich so zu einem kleinen Mittagsschläfchen gekommen.

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Euch wünsche ich einen schönen Tag!

So long,
Corinna

17.04.17

Das ist der Moment, an dem du einmal hängst...



Und wieder einmal mehr nur mit der Hilfe Gottes und der von Campino ein Referat an der Nankai Uni hinter mich gebracht.



 Das war mittlerweile das vierte oder fünfte Referat, in das ich die Toten Hosen eingebaut habe -- egal was das Thema ist, ohne sie geht es einfach nicht, haha.





Diesmal sollten wir über unsere liebste Reise referieren und da fiel mir doch glatt unsere Reise nach Vietnam ein, als wir mit Motorrollern durch eine atemberaubend schöne Landschaft gefahren sind und der Mo und ich dabei lauthals "Das ist der Moment, an dem du einmal hängst, wenn du irgendwann zurück denkst!" gegrölt gesungen haben.

Ich würde ja gerne sagen, dass mir das Referat diesmal gut gelungen ist, aber egal, was ich mache -- Karteikarten schreiben, Stichwörter notieren, den ganzen Text ausschreiben...

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... in dem Moment, in dem ich da vorne stehe, schmeiße ich erst die Nerven und zweitens all' meine Notizen weg und kann dann schauen, wie ich mich irgendwie frei durch hangele...

Glanzvoll war's nicht, aber zumindest habe ich es überlebt.

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Was lustigerweise sehr wohl geht:

Wenn wir ganz spontan im Seminar über irgendwas referieren müssen. 

Das macht mir gar nichts aus, da fällt mir immer etwas ein.

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Euch wünsche ich einen schönen Ostermontag, genießt ihn!

So long,
Corinna

13.04.17

China Challenge: XinJiang


China Challenge:

Wann immer sich die Gelegenheit bietet, alleine in China verreisen und schauen, wie ich klar komme.

Diesmal: das autonome Gebiet XinJiang im tiefen Nordwesten Chinas.

Rational war die Entscheidung nicht, sondern beruhte einzig und allein darauf, dass ich täglich begehrliche Blicke auf die Landkarte Chinas werfe, die in unserem Flur hängt. Und jedesmal fällt mein Blick auf diesen Punkt "Ürümqi"...

Ich meine, wie cool hört sich das denn bitte an?

Aber, dachte ich bisher immer, das ist so weit weg und so unerreichbar für mich, niemals werde ich mich trauen, da alleine hinzufahren. Immerhin gibt's da ja niemanden, den ich schnell zu Hilfe rufen könnte, wenn ich ein Problem habe... Und ob mein Chinesisch jemals gut genug wird, um mich wirklich ganz allein dort zurecht zu finden?

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Und was soll ich sagen?

Nein, mein Chinesisch ist auch weiterhin eher unterirdisch, aber zumindest mangelt es mir nicht mehr an dem nötigen Selbstvertrauen, es einfach mal zu versuchen. 

(Außerdem sprechen die Uiguren Chinesisch eh nur als Zweitsprache, und dann hört es sich noch nicht einmal sonderlich "Chinesisch" an, und war so lustigerweise für mich relativ leicht verständlich, haha).

Da mir vorher schon klar war, dass Ürümqi außer diesem ver.dammt coolen Namen weiter nicht sonderlich viel zu bieten hat, habe ich noch einen Abstecher nach Turfan eingeplant -- dafür hatte ich aber einen Tourguide engagiert, weil ich mich nicht unnötig mit hier Zug-, da Bus- und dort Taxi fahren aufhalten, sondern alle Ziele direkt ansteuern wollte. 

Hier ein paar Eindrücke:

Hong Shan in Ürümqi. Der ... Hügel, der da so einfach unvermittelt in der Stadt herumsteht, hat ein bisschen Grazer Schloßberg Feeling und ist ein schöner Nah-Erholungsort für die Einwohner. Außerdem hat man von dort aus einen wunderschönen Ausblick. Ürümqi selber ist ja bei weitem keine Schönheit, aber zumindest landschaftlich sehr schön gelegen.



Ich kann niemandem wirklich empfehlen, auf das Riesenrad zu gehen, und es hätte mir eine Warnung sein sollen, dass ich die einzige war... aber zumindest für die Aussicht hat es sich wirklich gelohnt:




Ich war aber trotzdem froh, als ich wieder unten war, ;-).

Das XinJiang Regional Museum -- war die ganze Reise wert. Was die Authentizität mancher der dort ausgestellten Artefakte angeht, hatte ich zwar so meine Zweifel...



... aber das diabolische Grinsen dieser zwei Tonkameraden hier...



... ist einfach der Renner!

(Allein dafür hätte ich das Museum gern ein zweites Mal besucht...).

Dann die Reise nach Turfan: Allein die Autofahrt war beeindruckend!



Die Oasenstadt Turfan ist in ganz China als bester Weintraubenproduzent bekannt -- und unter anderem Dank eines Jahrhunderte alten Untergrundwassersystems, das Wasser aus den Bergen ins Tal ableitet und so die Wasserversorgung garantiert:


Jiao He Ruinen:









Hätte mich nicht der Hunger getrieben, hätte ich mich dort noch stundenlang aufhalten können.

Apropos Hunger...






Random Views auf dem Bazaar:



Ein Ausflug in die Flammenden Berge -- unglaublich!



Thousand Buddha Caves -- die meisten Fresken sind Raub und Zerstörung zum Opfer gefallen (siehe Link zur Doku weiter unten), aber die Lage dieser Höhlen ist wirklich einmalig schön!


Tu Yu Valley und Tu Yu Village:



Das ehemalige Wohnhaus von Albert von Le Coq (siehe Link weiter unten):



Und letztlich noch das Imin Minaret, das 1778 erbaut wurde.


Auch das Museum von Turfan war einen Besuch wert (Schade, dass wir nicht schon vor 16 Jahren hier waren, als Mutze noch der weltgrößte Dino-Fan war -- XinJiang ist ja ein Paradies für Paläontologen!).

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Lohnenswert ist diese Dokumenation: "in Echt" ist alles sogar noch viel beeindruckender!

Obwohl ich die Uiguren auf den ersten Blick als nicht so offen empfunden habe, wie es in der Doku beschrieben wird. Während mir Chinesen oft sehr neugierig und offen vorkommen und ein Lächeln Türen öffnet, bin ich dort meistens eher skeptischen Blicken begegnet, und habe mich, viel mehr als im restlichen China, als Fremdkörper empfunden.

Aber toll war es trotzdem -- so viele neue Eindrücke, so viel gesehen, so viel erlebt!

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Euch wünsche ich einen wunderschönen Tag!

So long,
Corinna

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