24.06.17

A different kind of normal -- das andere Normal


Gerade beim Aufräumen meines Laptops gefunden: ein kleiner Aufsatz über China, den ich letztes Jahr für unser Pfarrblatt geschrieben habe.

Sollte ich es schon mal gepostet haben, bitte ich um Verzeihung.

A different kind of normal – das andere „Normal“*

Unser zweites Jahr in China neigt sich dem Ende zu, und alles was uns am Anfang fremd und ungewöhnlich erschien, ist mittlerweile zum Alltag geworden. Auch wenn einiges viel, viel anstrengender ist als im beschaulichen Österreich – die vielen Menschen, der Lärm, das ständige Autohupen, der tägliche Überlebenskampf beim Überqueren einer großen Straße – ist es hier in vielerlei Hinsicht auch erfrischend unkompliziert und entspannt.

Die Menschen in Tianjin erscheinen mir trotz der Betonwüste und der Menschenmassen erstaunlich ausgeglichen und gelassen. In den Parks sieht man vor allem ältere Menschen, die die Grünzonen für ihren Früh- und Abendsport nutzen, oder sich zum Musizieren zusammenfinden. Nicht alle sind Virtuosen, aber sie haben Spaß, und es finden sich immer genügend Leute, die gerne dabei stehen und zuhören. An vielen Straßenecken sitzen Menschen zusammen und spielen chinesisches Schach oder Karten, immer umringt von einer Traube Zuschauer, die das Spiel kommentieren. Über die Mittagszeit sieht man überall Arbeiter, die sich in den Schatten legen und einen Mittagsschlaf halten. Schlafen können die Menschen hier sowieso überall. Für uns unvorstellbar, da wir Schlaf für etwas Privates und Schlafen auf einer Parkbank für asozial halten, aber hier ist es einfach nur normal.

Mittags und Abends tauchen überall kleine fahrbare Küchen auf, an denen man für wenig Geld essen kann, und das Gesundheitsamt hätte viel zu tun, sie alle zu überprüfen. Manchmal mag die Hygiene wirklich etwas zweifelhaft sein, aber es schmeckt köstlich. So genau möchte ich gar nicht wissen, wie es in den Küchen meiner liebsten Nudelläden aussieht, denn dann könnte ich vielleicht das Essen nicht mehr genießen. Und das schmeckt nun mal gerade in den kleinen Läden am besten, die auf den ersten Blick nicht so vertrauenserweckend wirken.

Auch die Markthalle in unserer Nachbarschaft ist auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig –  vor allem die Stände an denen Fleisch verkauft wird, denn das hat mit unseren Hygienebestimmungen wirklich wenig gemeinsam. Aber manchmal ist es doch allemal praktischer als erst quer durch die halbe 15 Millionen Stadt zu fahren, um das Fleisch in einem großen Supermarkt zu kaufen, von dem ich auch nicht weiß, wie es hinten im Schlachtraum aussieht. Dafür sind die Fische am Fischstand wirklich frisch. Das weiß ich, weil schon mehr als einmal ein Fisch aus dem Becken und mir direkt vor die Füße gesprungen ist. Direkt neben dem Fischstand ist übrigens eine Zahnarzt“praxis“, der Behandlungsraum sozusagen mitten in der Auslage. Um den Zahnarzt scheinen aber nicht nur wir einen großen Bogen zu machen, denn wir haben dort noch nie einen Patienten gesehen.

Sicherheitsfanatiker sind Chinesen sicher keine. Überall gibt es Stolperfallen, funktionierende Gurte in Taxis sind meistens Fehlanzeige, das Verkehrsverhalten der Auto- und Radfahrer ist eher … spontan, und der Mut der Arbeiter und vor allem der Fensterputzer bewundernswert. Aus westlicher Sicht geht manches gar nicht. Aber in China geht es eben doch, ohne dass gleich Tausende von Vorkehrungen getroffen werden oder irgendwelche Sicherheitsexperten auf der Matte stehen.

Das kann man natürlich so oder so sehen. Mir hat es jedenfalls schon in mindestens zwei im wahrsten Sinne des Wortes „brenzligen“ Situation sehr geholfen, dass sie komplikationslos und ohne größeren Ärger geregelt werden konnten. Das sind aber alles Anekdoten für sich, über die wir sicher später noch oft lachen werden. Genauso, wie ich jetzt mit meinen chinesischen Freunden darüber lache, dass ich mich Anfang kaum getraut habe, eine Straße zu überqueren, aber jetzt oft noch schneller als die anderen Fußgänger an der anderen Straßenseite ankomme.

*Ganz allein meins.

****

Euch wünsche ich ein schönes Wochenende!

So long,
Corinna

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Liebe Frau_Mahlzahn!

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...