01.09.17

Hobby-Anarchisten


Hola, dahinten an der Kreuzung scheint es die Polizei ja tatsächlich ernst zu meinen, denn neben den regulären Verkehrspolizisten haben sie jetzt auch an jeder Ecke Uniformierte stationiert, die peinlich genau darauf achten, dass sich alle an die Regeln halten.

Wobei "uniformiert" ein weit gefasster Begriff ist, denn das ist man in China bald einmal.

Die, die da an der Ecke stehen, dürften jedenfalls so ziemlich gar keine Befugnisse haben.

Trotzdem kann ich die Bemühungen wirklich nur begrüßen.

Denn obwohl der Verkehr auf der Pudong-Seite Shanghais im Vergleich zu Tianjin wirklich zahm ist, ist es trotzdem kein Vergnügen, sich mitten im Berufsverkehr mit dem Fahrrad durchzuschlängeln.

Da aber die meisten Chinesen im Grunde ihres Herzens "Hobby-Anarchisten"* sind, wird es wohl mehr als ein paar Verkehrspolizisten brauchen, um sie dazu zu bewegen, sich an die Verkehrsregeln zu halten.

Gestern beobachtete ich (an der Ampel brav vor der weißen Linie haltend), wie einer der Uniformierten eine ältere Dame anwies, es mir gleich zu tun. Was sie völlig ignorierte und ihr Fahrrad einfach weiter in die Kreuzung hinein schob.

Der Uniformierte rief ihr noch ein, zwei Mal zu, sie solle stehenbleiben, als sie aber schließlich einfach nur über den Gehweg auswich, meinte er auch nur:

"Hao de."

(Okay.)

Als die Ampel dann endlich auch für mich Grün wurde und er mir freundlich zunickte, dass ich nun fahren dürfe... bin ich trotzdem noch von Rechts- und Linksabbiegern geschnitten worden, ganz zu schweigen von den Autofahrern, die einfach knapp vor mir zum Parken an den Straßenrand einscherten... 

Lustig war der Autofahrer, der aus einer Einfahrt kam und mir den Weg abschnitt. Als ich ihm ziemlich genervt "go! go! go!" zurief, um wenigstens vor lauter Langsamerwerden nicht vom Rad zu fallen, hielt er einfach mitten im Weg an und schaute sich irritiert in alle Richtungen um...

"Go" hört sich nämlich genauso an wie gou ... also Hund.

Oups.

Mein Fehler, :-).

Richtig erfreulich ist auf unserer Seite Shanghais, dass es auf den großen Straßen Radwege gibt, die wirklich nur Zweirädern vorbehalten sind.

Also, Zweirädern und dem gelegentlichen Fußgänger, dem sowieso alles egal ist.

(Das war in Tianjin nicht so, da haben die Autofahrer die Fahrradwege gerne mal als zusätzlichen Rechtsabbieger- oder Überholstreifen zweckentfremdet).

Aber auch auf den Radwegen geht es während des Berufsverkehrs wirklich extrem wild zu, da wird links und rechts überholt, sich in jede Lücke geschlängelt und gegen den Strom gefahren... 

Der Vorteil ist aber, dass man garantiert hellwach ist, wenn man am Ziel ankommt, :-).

****

Euch wünsche ich einen schönen Freutag!

So long,
Corinna

*So bezeichnet in meinem Shanghai-Reiseführer "Shanghai: Zeit für das Beste" von Jochen Klein und Christoph Mohr. Den ich übrigens für Reisen nach Shanghai durchaus empfehlen kann.

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Liebe Frau_Mahlzahn!

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