15.12.17

In den Gassen Shanghais...


In Shanghai gibt es ein großes Angebot geführter Touren und oft genug bin ich erstaunt, wieviel Geld Expats bereit sind für eine Führung auszugeben, die man sich eigentlich selber oder mit Freunden erlaufen könnte.

Andererseits gibt es gelegentlich auch Führungen in die hinteren, weniger bekannten Ecken und Winkel der Stadt, die sogar Zugang in privatere Gefilde geben.

Was am Ende der Ausschlag gebende Grund war, warum ich mich kürzlich einer Führung angeschlossen habe, die in eine hauptsächlich von Wanderarbeitern bewohnte Nachbarschaft führte.

(Und hier, weil wir auch in einige Wohnungen eingeladen wurden, um uns mit den Familien zu unterhalten und Einblicke in ihr Leben zu erhalten, bilderlos bleibt.)

Es war wirklich interessant und lehrreich.

Aber ein schwieriges Thema, zu dem ich mich wegen mangelndem und verlässlichem Grundwissen gar nicht genauer äußern möchte.

Jedenfalls bin ich mit sehr viel Respekt für das, was die Wanderarbeiter leisten, um ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen, nach Hause gekommen.

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Eine zweite Führung führte uns in einige versteckte Winkel drüben in Puxi, dem alten Teil der Stadt. Erst habe ich mich ein bisschen geärgert, so viel Geld für diese Tour auszugeben, denn die Gassen hätte ich auch alleine finden können.


Nur wäre ich niemals tatsächlich in die Hinterhöfe gegangen und hätte auch niemals so viel von der Geschichte dieses alten Stadtteils erfahren.

Wenn die Wände doch nur sprechen könnten, sie hätten viel zu erzählen...







... so wie dieser ältere Herr, der nicht müde wurde uns zu erzählen, dass er schon 95 sei und seit mehreren Jahrzehnten in diesem Haus wohne:


Eine wirklich schöne Begegnung...

Hier hat es mir die Sprache verschlagen:

Wohnungsangebote für teilweise winzig kleine Zimmer -- ohne eigenes Bad oder Küche, aber zu horrenden Preisen!!



Werbung:


Schnapsfässer:


Und während es auf unserer Seite der Stadt sehr geordnet zugeht mit dem Fahrradverleih, scheint man es in den dunkleren Ecken Shanghais doch nicht so genau zu nehmen mit dem Abstellen der Räder:


Diese unglaubliche Materialschlacht um die Leihfahrräder ist wirklich schade, denn die Idee ist nicht schlecht, und spart mir immer eine Menge Zeit und Hatscherei...

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Interessant war's!

Aber obwohl man natürlich im Rahmen einer Führung mehr Hintergründe erfährt, bin ich trotzdem auch gerne alleine unterwegs. Auch wenn -- eh schon wissen, weil mehrmals erwähnt, Tianjin mein absoluter Favorit unter den Städten Chinas bleibt, hat Shanghai doch einiges mehr an interessanten Ecken zu bieten.

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Euch wünsche ich einen schönes Wochenende! 

Bei uns beginnen heute die Weihnachtsferien!

Yay!

So long,
Corinna

13.12.17

China-Challenge: In Nanjing unterwegs


Eigentlich hätte es eine Sprachreise werden sollen: da in Shanghai mein ohnehin eher kümmerliches Chinesisch eher schlechter geworden ist, weil alle immer nur Englisch sprechen wollen, wollte ich mich mal wieder außerhalb meiner Comfort Zone durchschlagen.

Allerdings habe ich das diesmal in Begleitung einer lieben Freundin aus Tianjin getan, so dass wir weniger Chinesisch geübt als viel geplaudert und gemeinsam die Stadt und einige lokale Restaurants erkundet haben.

Schön war's!

Und herbstlich bunt!












Bei manchem, das kulinarisch feil geboten wurde, reichte uns ein Foto...


... obwohl diese Enten ja eine absolute Spezialität sein sollten:





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Eh schon wissen: Tianjin ist die beste und tollste Stadt in ganz China.

Aber Nanjing hat sich ganz, ganz sicher einen sehr, sehr knappen zweiten Platz verdient!

Obwohl Nanjing keine schöne Stadt im klassischen Sinne ist, und es auch hier leider keinen gewachsenen Stadtkern (mehr) gibt, ist es die bisher gechillteste, entspannteste Stadt, die ich in China kennen gelernt habe. Und auch wenn die Begegnungen mit den Menschen dort nur kurz und flüchtig war, fand ich sie total offen, freundlich und herzlich. 

Und das ist bei der leidvollen Geschichte, die diese Stadt in den letzten knapp 180 Jahren durchgemacht hat, beileibe keine Selbstverständlichkeit!

Zum einen hat China hier 1842 den demütigen Vertrag von Nanking unterschrieben, der den ersten Opiumkrieg mit England beendete. Neben der psychologischen Demütigung zwang der Vetrag China freien Handel zu westlichen Konditionen auf und schwächte die chinesische Wirtschaft nachhaltig.



Nur wenige Jahre später wurde Nanjing zum Hauptsitz der Taiping Rebellion, die das Land über 14 Jahre hinweg in einen blutigen Bürgerkrieg stürzte, mit geschätzten 20 bis 30 Millionen Todesopfern.


1912 wurde Nanjing dann zur Hauptstadt der (ersten) Republik von China...





... und 1937 zum Symbol unsäglicher Zerstörung und grauenhafter Verbrechen als -- heute vor genau 80 Jahren -- die japanische Armee die Stadt im zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg einnahm...


Das Nanjing Massacre Memorial und Museum hatte in Vorbereitung des 80. Jahrestages geschlossen, und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich nicht doch sehr froh darüber bin, es nicht gesehen zu haben.

Denn es ist einfach unfassbar, was Menschen dort anderen Menschen angetan haben.

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Wie gesagt, auch wenn Tianjin auch weiterhin die allertollste Stadt in China ist, würde ich definitiv nicht nein sagen, wenn wir nach Nanjing ziehen müssten.

Obwohl die Stadt natürlich viel Tourismus anzieht, und natürlich auch viele moderne Ecken hat, ist sie doch erfreulich "lokal" geblieben, mit vielen "normalen" Nachbarschaften, kleinen Restaurants und Geschäften, und freundlichen Menschen.

Ich war bestimmt nicht zum letzten Mal dort, vor allem, weil es von Shanghai aus so leicht zu erreichen ist.

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Euch wünsche ich noch eine frohe Vorweihnachtszeit!

So long,
Corinna

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