31.01.18

Zufällig gefunden...


Bei einem Streifzug mit meinen Freundinnen durch die Duo Lun Lu (eine Nachbarschaft, in der sich in den 20ern und 30ern die Literati, die Begründer der modernen Chinesischen Literatur, konzentriert und die League of Leftist Writers gegründet haben) durch Zufall gefunden:

Das Duo Lun Modern Arts Museum: 











 (Es sind alles Werke von jungen Chinesischen Künstlern).

Und zum Abschluss noch ein schneller Kaffee im Central Perk...




An Tagen wie diesen versteh' ich dann selber auch nicht so ganz, warum ich nicht so ganz warm werden kann mit Shanghai... 

Genug zu bieten hat es jedenfalls, :-).

So long,
Corinna



26.01.18

Ich geh' dann mal die Schneeschaufel holen...


Schnee ist in Shanghai so eine Seltenheit, dass ein mickriger Zentimeter Schnee ausreicht, um die internationalen Schulen zu schließen. Der Transport der Schüler zur Schule sei wegen zu erwartender Glätte zu gefährlich.

Klein Minka schläft noch und weiß gar nichts von ihrem Glück, dass sie heute nicht zur Schule muss.


Ich geh' dann mal die Schneeschaufel holen... (lol).

Euch wünsche ich ein schönes Wochenende!

So long,
Corinna

25.01.18

Stadtrundgang: Hong Qiao Lu und das Song Qing Ling* Memorial


Es ist kalt in Shanghai.

Vielleicht nicht ganz so kalt - oder besser: bei weitem nicht so kalt - wie andernorts, aber trotzdem sehr ungemütlich.

Heute so: fieser Schneeregen.

Gut, dass ich da schon gestern lange in der Stadt spazieren war, diesmal im Stadtteil Hong Qiao, der früher, also zu den Hoch-Zeiten der Konzessionen, "das Land" war, auf dem unzählige der sehr Reichen und Berühmten ihre Wochenend- und Sommerhäuser hatten.

(Wie schon geschrieben, habe ich viel über die Geschichte Shanghais gelesen und "erlaufe" mir jetzt quasi alles, was ich schon weiß - und das, was ich noch wissen will).

Heute sind die meisten dieser Häuser, so sie überhaupt noch existieren, hinter hohen Mauern und Zäunen verborgen, wie hier zum Beispiel die ehemalige (aber "nur" angemietete) Residenz von Song Mei Ling, Ehefrau von Chiang Kai Shek:




Aber manchmal hat man auch Glück, und die Einfahrtstore stehen weit offen, wie hier bei der Residenz ihres Bruders, Song Zi Wen, auch bekannt als T.V. Soong,  Finanzminister unter Chiang Kai Shek:


Und auch Kong Xiang Xi, bzw. H.H. Kung, einflussreicher Wirtschaftsberater Chiang Kai Sheks und Ehemann der ältesten Song Schwester Ai Ling, hatte hier ganz in der Nähe ein Haus...

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Allerdings ist es die einzige des Song-Klans, die nie in dieser Nachbarschaft gelebt hat, die den Spaziergang zu einem richtig geschichtsträchtigen macht.

 Nur ein paar Schritte von den Häusern ihrer Geschwister entfernt, findet sich das in einem ehemaligen Friedhof angelegte Song Qing Ling Memorial:






Von den drei Töchtern der Familie Song wird gesagt, die Älteste, Song Ai Ling, liebe die Macht, die Jüngste, Song Mei Ling, das Geld, doch nur die Mittlere, Song Qing Ling, die Menschen.

Denn während sich die Schwestern durch Hochzeit eng an die Kuomintang unter Chiang Kai Shek banden, heiratete Qing Ling 1915 Sun Yat Sen, der 1912 der erste Präsident der Republik China gewesen war. Nach seinem Tod 1925 engagierte sie sich weiter politisch, distanzierte sich aber schließlich von den Nationalisten und schlug sich im Bürgerkrieg auf die Seite der Kommunisten. Auch nach 1949 blieb sie in führenden politischen Positionen aktiv.

(etc.)

Im (angenehm warmen) Museum nebenan ist anschaulich zu sehen, dass sie auch heute (als einzige der drei Schwestern) noch immens verehrt wird:







Gut gemacht ist die Ausstellung schon, aber ich muss gestehen, dass ich doch etwas überwältigt war von so viel Heldenverehrung...

Wieder aufgewärmt bin ich noch ein wenig über den ehemaligen Friedhof spaziert.

Im chinesischen Teil, muss ich zu meiner Schande gestehen, kannte ich nicht viele Namen, doch diesen Gedenkstein hier fand ich besonders schön:




Zhang Le Ping, ein berühmter Comic-Zeichner mit seinem Comic-Helden San Mao.

 Im ehemals den reichen Expats vorbehaltenen Teil des Friedhofs fand ich diese Gedenktafel:




Sir Elly Kadoorie und seine Frau Lady Kadoorie: Namen, auf die man immer wieder stößt, denn die Kadoories gehörten nicht nur zur Creme de la Creme Shanghais, sondern auch zu der der jüdischen Gemeinde der Stadt.

Das ist dann aber wieder eine ganz andere (und extrem spannende) Geschichte.

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Apropos jüdische Gemeinde:

Ich habe mich für zwei verschiedene Bekanntenkreise als Tour Guide für die ehemalige und sogenannte "Jewish designated area" angeboten, um mein bisheriges Wissen zu testen.

Bin mal gespannt. Einmal habe ich die Tour schon für Freundinnen gemacht, sie aber wohl mit meinem Hang zu Detailinformationen überwältigt...

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Anyway.

Würde ich Touristen einen Rundgang durch die Hong Qiao Lu empfehlen?

Eigentlich nur, wenn man sich wirklich sehr für die chinesische Geschichte des 20. Jahrhunderts interessiert. Ansonsten gibt es dort nicht viel zu sehen, und wirklich schön und atmosphärisch ist es auch nicht.

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Im Gegensatz zu einer anderen Nachbarschaft, die der "Merchant Princes und Riches", die ich vor kurzem erkundet habe und von der ich das nächste Mal erzähle...

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Euch wünsche ich einen schönen Tag!

So long,
Corinna

*Die englische Schreibweise ist Soong Ching Ling.

17.01.18

Eintauchen...



... 

Inzwischen ist das Grazerlei -- oder Chinalei [TchEINERLEI], wie meine Schwester es mal genannt hat, ja eher eine Reiseblog geworden, und es wird deshalb dringend Zeit, das wieder zu ändern...

Allerdings ist es auch kein Familienblog mehr -- die Kinder sind mittlerweile aus dem Alter raus, in dem sie es noch nett finden, wenn ich all die kleinen Anekdötchen in die Welt hinaus posaune.

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Nur so viel:

Mutze studiert mittlerweile Chinesisch an einer Uni in Shanghai, überlegt aber, im kommenden Herbst nach Europa zurück zu gehen.

Der Mo, der nur ein ganzer kleiner Mini-Knirps war, als ich zu Bloggen angefangen habe, ist mittlerweile der Familiengrößte und ein richtig fescher Kerl geworden. In der Schule hat er sich gut eingelebt und beginnt zu überlegen, was er mal mit seinem Leben anfangen und vor allem, wo er das denn mal tun möchte.

Klein-Minka ist auch weiterhin unser kleiner Haudegen, betreibt Gymnastik, spricht fließend und akzentfrei Englisch, hat den coolsten Mathelehrer der Welt, und einen sehr netten Freundeskreis mit Kindern aus Taiwan, Hong Kong, und Amerika. 

Sehr coole Kinder habe ich da, finde ich.

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In Shanghai haben wir uns mittlerweile gut eingelebt, obwohl ich die Überschaubarkeit Tianjins und die Offen- und Herzlichkeit der Menschen dort schon sehr vermisse -- die Shanghainesen sind doch ein wenig zurückhaltender und es ist schwerer, mal ins Gespräch zu kommen.

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Das Expatleben ist ein seltsames -- der Postkolonialismus lässt grüßen, denke ich mir da oft so, und diese selbstgewählte Ignoranz allzu vieler verwöhnter Expats gegenüber unserem Gastgeberland (und leider oft genug auch Rassismus gegenüber den Menschen hier) entspricht wirklich jedem denkbaren Klischee und Vorurteil...

Dazu noch ein "Sense of Entitlement", bzw. die Erwartungshaltung, dass die Welt ihnen etwas schulde, weil sie nach China gekommen sind... das macht das Miteinander nicht immer leicht, und ich sitze oft genug auf meinen Fingern, um in diversen Gruppenchats nicht schnippig zu antworten...

Aber das läßt sich alles so schwer erzählen...

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In Shanghai war es bisher auch schwerer, "mein Ding" zu finden. In Tianjin hatte ich mein Studium und habe "nebenbei" noch Deutsch und Englisch unterrichtet, was richtig cool war, weil ich so ein ganz anderes China kennen lernen durfte, als die Expat-Seifenblase.

In Shanghai war ich zuerst auch an einer Uni eingeschrieben, aber deren Unterrichtsmethode hat mir einfach überhaupt nicht zugesagt, und eine Lehrmöglichkeit für Deutsch als Fremdsprache hat sich leider zerschlagen.

Hmpf.

Andererseits....

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... hat Shanghai so mega-mäßig viel zu bieten, dass es eh passt, jederzeit durch die Stadt ziehen zu können und die turbulente und extrem spannende Geschichte Shanghais zu erkunden.

Ein echter Krimi, sage ich Euch!

Und viele der "Originalschauplätze" sind noch erhalten!

Und so nutze ich meine Zeit, mir die Geschichte Shanghais zu "erlaufen".

Der Plan ist, irgendwann mal so sattelfest zu werden, dass ich es zu "meinem Ding" hier machen und eventuell Führungen anbieten kann.

(Habe ich eigentlich jemals erwähnt, dass ich einen Master of Arts in Geschichte habe?)

Und deshalb, so leid es mir tut, fürchte ich, dass das Grazerlei in Zukunft sehr geschichtsträchtig werden wird...

Anyway!

Ich muss los, denn meine Freundinnen, mit denen ich hier gerne um den Block ziehe, haben sich bereit erklärt als Versuchskaninchen zu fungieren und sich von mir durch das ehemalige Jüdische Viertel führen zu lassen.

(Und, meine Güte, habe ich seitdem ich das erste Mal dort war, viel darüber gelernt!)

Euch wünsche ich einen schönen Tag!

So long,
Corinna

Auf dem Spielplatz...

In dem Compound, in dem wir leben, gibt es (das war eines meiner wichtigsten Auswahlkriterien) nur sehr, sehr wenige Expats, dafür aber g...