08.02.18

Aufreger...


Es gibt ja extrem viele Aufreger in China, aber während sich der Großteil meiner Mit-Expats über langsames Internet, immer wieder auftretende Probleme mit ihren Wohnungen und Häusern, und gerne auch über ihre Ayis (Haushälterinnen) und Fahrer aufregen, sind es bei mir eher die Expats selber, die mich oft genug ungemein irritieren.

Natürlich gibt es immer solche und solche, aber ich muss schon sagen, dass es wirklich verdammt viele gibt, die wirklich punktgenau so ziemlich jedem Vorurteil entsprechen, das man über über-privilegierte Expats so haben kann.

Das war schon in Tianjin (auf seine ganz eigene Art und Weise) so, aber hier in Shanghai beobachte ich gerade einen ganz besonderen Level des Postkolonialismus... 

Meistens mag ich mich gar nicht so genau darüber äußern -- muss ja nicht sein, dass ich mir hier gleich in unserem ersten Jahr schon wieder Feinde mache. 

Außerdem ist das, was mich im Moment irritiert, so krass, dass ich fast gar nicht darüber schreiben möchte. 

 Sagen wir einfach nur so: ich staune darüber, wie manche der Expat-Damen ihre Freizeit außerhalb von Massage, Pedi- und Maniküre, Shopping und Lunchen noch so verbringen...

****

Eine andere Sache, über die ich mich ein wenig ärgere, ist der Ethnozentrismus der Schule, auf die die Kinder gehen.

Natürlich war mir schon bei der Einschreibung bewusst, dass der größte Teil der westlichen Schüler und Lehrer Amerikaner sind, und auch das Curriculum amerikanisch ist. 

Dennoch trägt der Name der Schule auch das Wort "international" in sich... und so hatte ich mir doch (sehr blauäugig) ein wenig mehr Weltoffenheit vorgestellt.

...

...

...

Aber tatsächlich passiert da sehr, sehr wenig, und obwohl ich selber mehrere Jahre in Amerika gelebt habe, habe ich häufig das Gefühl, als sprächen die amerikanischen Eltern und Lehrer um mich herum alle in Orakeln...

Sie haben es nämlich gar nicht auf dem Schirm, dass es auch viele Schüler und Eltern gibt, die aus einem anderen Kulturkreis kommen und oft gar nicht nachvollziehen können, worüber gerade gesprochen wird.

Ich bin da schon mehr als einmal unangenehm aufgefallen, als ich darauf hingewiesen habe, dass mir in vielen Dingen einfach der Kontext fehlt, weil ich eben keine Amerikanerin bin und noch nie ein Kind in einer amerikanischen Middle School hatte. 

Oder ich die Lehrer darum bitten musste, etwas langsamer zu sprechen, da mein Englisch zwar ganz gut ist, ich aber trotzdem keine Muttersprachlerin bin.

Wie mag es da nur den koreanischen und chinesischen Eltern gehen, die nicht so gut Englisch sprechen?

Wenn man dazu noch sieht, dass die gesamte Nachbarschaft um die Schule herum für ein amerikanisches Publikum ausgelegt ist, ist es eigentlich auch kein Wunder, dass viele meiner Mitmütter mental immer noch in Amerika sind...

Gut, sagen dann Frank und meine Freundinnen, es ist halt nicht jeder so abenteuerlustig, viele sind zum ersten Mal im Ausland, das ist Abenteuer genug, außerdem sei die Bubble ja immer noch in China... und nicht zu vergessen: nicht alle sind freiwillig hier.

Trotzdem fände ich es gerade deshalb Aufgabe der Schule, ein weltoffenes Umfeld zu schaffen, das sich seiner Internationalität und vor allem seines Standortes (China) bewusst ist.

****

Leider macht mir aber auch das bevorstehende Frühlingsfest mal wieder sehr bewusst, dass ganz genau das an der Schule nicht geschieht. 

Denn außer in der Volksschule und dank des Einsatzes engagierter chinesischer Mütter auch in und vor den Klassenräumen der 5. Klasse (Minka) ist nirgendwo in der Schule für Chinese New Year dekoriert!

Für Weihnachten war die ganze Schule schon Mitte November komplett aufgebrezelt, aber für Chinese New Year, das wichtigste Fest unseres Gastgeberlandes machen wir uns diese Mühe nicht?

Ich finde das wirklich extrem schade!

(Und arbeite im Geiste an einer E-Mail an die Schulleitung).

****



Euch wünsche ich einen schönen Tag -- meiner wird es ganz bestimmt, denn heute ist die Firmen-Frühlingsfeier, und die Mitarbeiterinnen haben mich zu einer gemeinsamen Session bei einer Kosmetikerin eingeladen -- also quasi zum Vorglühen, :-).

So long,
Corinna

1 Kommentar:

  1. leider ist Ignoranz ein weltweites Übel
    und ich denke Amerikaner sind da groß drin ..
    nachfolgend vielleicht die Deutschen ;)
    aber in einem fremden Land sollte man schon etwas die Kultur respektieren
    und sie auch seinen Kindern nahe bringen
    ich musste aber erst mal googlen was Expats sind ;)
    liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen

Liebe Frau_Mahlzahn!

Auf dem Spielplatz...

In dem Compound, in dem wir leben, gibt es (das war eines meiner wichtigsten Auswahlkriterien) nur sehr, sehr wenige Expats, dafür aber g...