17.01.18

Eintauchen...



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Inzwischen ist das Grazerlei -- oder Chinalei [TchEINERLEI], wie meine Schwester es mal genannt hat, ja eher eine Reiseblog geworden, und es wird deshalb dringend Zeit, das wieder zu ändern...

Allerdings ist es auch kein Familienblog mehr -- die Kinder sind mittlerweile aus dem Alter raus, in dem sie es noch nett finden, wenn ich all die kleinen Anekdötchen in die Welt hinaus posaune.

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Nur so viel:

Mutze studiert mittlerweile Chinesisch an einer Uni in Shanghai, überlegt aber, im kommenden Herbst nach Europa zurück zu gehen.

Der Mo, der nur ein ganzer kleiner Mini-Knirps war, als ich zu Bloggen angefangen habe, ist mittlerweile der Familiengrößte und ein richtig fescher Kerl geworden. In der Schule hat er sich gut eingelebt und beginnt zu überlegen, was er mal mit seinem Leben anfangen und vor allem, wo er das denn mal tun möchte.

Klein-Minka ist auch weiterhin unser kleiner Haudegen, betreibt Gymnastik, spricht fließend und akzentfrei Englisch, hat den coolsten Mathelehrer der Welt, und einen sehr netten Freundeskreis mit Kindern aus Taiwan, Hong Kong, und Amerika. 

Sehr coole Kinder habe ich da, finde ich.

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In Shanghai haben wir uns mittlerweile gut eingelebt, obwohl ich die Überschaubarkeit Tianjins und die Offen- und Herzlichkeit der Menschen dort schon sehr vermisse -- die Shanghainesen sind doch ein wenig zurückhaltender und es ist schwerer, mal ins Gespräch zu kommen.

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Das Expatleben ist ein seltsames -- der Postkolonialismus lässt grüßen, denke ich mir da oft so, und diese selbstgewählte Ignoranz allzu vieler verwöhnter Expats gegenüber unserem Gastgeberland (und leider oft genug auch Rassismus gegenüber den Menschen hier) entspricht wirklich jedem denkbaren Klischee und Vorurteil...

Dazu noch ein "Sense of Entitlement", bzw. die Erwartungshaltung, dass die Welt ihnen etwas schulde, weil sie nach China gekommen sind... das macht das Miteinander nicht immer leicht, und ich sitze oft genug auf meinen Fingern, um in diversen Gruppenchats nicht schnippig zu antworten...

Aber das läßt sich alles so schwer erzählen...

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In Shanghai war es bisher auch schwerer, "mein Ding" zu finden. In Tianjin hatte ich mein Studium und habe "nebenbei" noch Deutsch und Englisch unterrichtet, was richtig cool war, weil ich so ein ganz anderes China kennen lernen durfte, als die Expat-Seifenblase.

In Shanghai war ich zuerst auch an einer Uni eingeschrieben, aber deren Unterrichtsmethode hat mir einfach überhaupt nicht zugesagt, und eine Lehrmöglichkeit für Deutsch als Fremdsprache hat sich leider zerschlagen.

Hmpf.

Andererseits....

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... hat Shanghai so mega-mäßig viel zu bieten, dass es eh passt, jederzeit durch die Stadt ziehen zu können und die turbulente und extrem spannende Geschichte Shanghais zu erkunden.

Ein echter Krimi, sage ich Euch!

Und viele der "Originalschauplätze" sind noch erhalten!

Und so nutze ich meine Zeit, mir die Geschichte Shanghais zu "erlaufen".

Der Plan ist, irgendwann mal so sattelfest zu werden, dass ich es zu "meinem Ding" hier machen und eventuell Führungen anbieten kann.

(Habe ich eigentlich jemals erwähnt, dass ich einen Master of Arts in Geschichte habe?)

Und deshalb, so leid es mir tut, fürchte ich, dass das Grazerlei in Zukunft sehr geschichtsträchtig werden wird...

Anyway!

Ich muss los, denn meine Freundinnen, mit denen ich hier gerne um den Block ziehe, haben sich bereit erklärt als Versuchskaninchen zu fungieren und sich von mir durch das ehemalige Jüdische Viertel führen zu lassen.

(Und, meine Güte, habe ich seitdem ich das erste Mal dort war, viel darüber gelernt!)

Euch wünsche ich einen schönen Tag!

So long,
Corinna

Kommentare:

  1. Hui.....das ist wieder mal alles sehr spannend.....immer wieder schön, von Dir zu lesen und ein bisserl was aus der Fremde zu hören! :-)
    Lieben Gruß
    Gisi

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  2. Ja, das Leben nimmt manchmal komische Wendungen. Aber es muss gelebt werden!
    Herzliche Grüße!
    Astrid

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  3. Toll, toll, toll. Ich lese immer wieder gerne bei Dir. Vielen Dank, dass Du uns mitnimmst!
    Liebe Grüße
    Christine

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  4. wow
    ich finde es sehr spannend was du hier erzählst
    ist ja nicht alltäglich dass jemand in China lebt
    lese gerade etwas quer ;)
    liebe Grüße
    Rosi

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